Verhandlungspraxis
In Kanada ist „political correctness“ Pflicht

Der Umgangston in Kanada ist ausgesprochen höflich. Nordamerikanische Ungezwungenheit ist typisch für den Verhandlungsstil im Land. Deutsche Geschäftsreisende sollten sich allerdings auf die multikulturelle Gesellschaft Kanadas einstellen. Zwischen dem französischsprachigen Québec und dem anglophonen Rest des Landes bestehen große Unterschiede. Hier sind insbesondere zwei Verhaltensweisen gefragt.

TORONTO. Kommt der Geschäftsreisende in der Wirtschaftsmetropole Toronto oder einer anderen kanadischen Millionenstadt an, so mag er sich dank der englischen Sprache und umgeben von Hochhäusern und Hot-Dog-Ständen in den USA wähnen. Diese erste Impression erweist sich jedoch als falsch - spätestens dann, wenn er in Gesprächen mit lokalen Geschäftspartnern Kanada mit den USA gleichsetzen sollte. Denn Kanadier mögen es gar nicht, als Anhängsel des großen Bruders im Süden betrachtet zu werden. Sie sehen ihre kulturelle Verwandtschaft eher in Großbritannien, deren "Queen" auch weiterhin Staatsoberhaupt Kanadas ist.

Nicht nur in Beziehung zu den Amerikanern, sondern auch in Relation zu Kanadiern anderer Provinzen grenzt man sich gerne ab. Der frappierendste Unterschied besteht zwischen den Landsleuten aus dem französischsprachigen Québec und dem anglophonen Rest des Landes. Darüber hinaus hört es man es in der erdölreichen Provinz Alberta auch nicht gerne, wenn Toronto und Ottawa als Nabel Kanadas bezeichnet werden. Aufgrund dieser und anderer "Fettnäpfchen" ist jeder Geschäftsreisende gut beraten, wenn er eine Liste der "Dos und Don'ts" im Handgepäck hat. Fingerspitzengefühl und politische Korrektheit sind gefragt.

Zum kulturellen Grundverständnis gehört es, dass Kanada sich als Einwanderungsland versteht und bei einer Bevölkerung von 33 Mill. Einwohnern jedes Jahr über 200 000 Neubürger aus aller Herren Länder willkommen heißt. Von daher verbieten sich jegliche Herabsetzungen ethnischer, kultureller, religiöser, politischer oder auch geschlechtlicher Art. Die Richtschnur heißt "political correctness".

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Damit einem derartige Äußerungen auch nicht in weinseliger Laune über die Lippen kommen, ist der Alkoholvertrieb und -konsum eingeschränkt. Nur in staatlichen Spezialgeschäften und in lizenzierten Lokalen wird Alkohol verkauft und ausgeschenkt. Ansonsten darf er in der Öffentlichkeit nicht konsumiert werden. Geschäftsessen zur Mittagszeit sind nicht selten "trocken" und abends vielleicht auf ein Glas Wein beschränkt.

Weniger puritanisch geht es in der Provinz Québec zu, die nicht nur von der Sprache, sondern auch vom Lebensgefühl, den Umgangsformen und der Rechtsprechung her französisch geprägt ist. So orientiert sich das Rechtssystem dort am "Code Napoleon" und im anglophonen Kanada am britischen "Common Law" . Da Letzteres auf Präzedenzfällen basiert, sollten Verträge so gestaltet werden, dass sie nicht zuviel Interpretationsspielraum erlauben.

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