Verhandlungspraxis
„Türkischer Kaffee“ verärgert die Griechen

Die kulturelle Identität der Griechen bewegt sich zwischen europäischen Wertvorstellungen und denen des Balkans. Dies ist auch in der Geschäftswelt zu spüren. Im Land von Aristoteles sind die Menschen heute noch stolz auf die ruhmreiche Vergangenheit. Der ausländische Geschäftspartner kann hier mit klassischen Umgangformen punkten. Nur einen Vergleich darf er auf keinen Fall ziehen.

KÖLN. Im europäischen Vergleich ist die griechische Wirtschaft erst relativ spät auf einen Wachstumspfad eingeschwenkt. Erst Jahre nach dem Beitritt zur EU ging es langsam aufwärts. Heute unterscheidet sich das Selbstverständnis der Unternehmer im Euroland Griechenland kaum von dem seiner westeuropäischen Nachbarn. Zu allen EU-Mitgliedstaaten werden gute wirtschaftliche und politische Kontakte gepflegt.

Darüber hinaus besteht eine besondere Nähe zu den Nachbarländern im Balkan und in Osteuropa sowie zu den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Das Verhältnis zur Türkei hat sich zwar in jüngster Zeit enorm verbessert - bleibt aber nach wie vor angespannt. Anspielungen auf diesen Nachbarn sollten daher möglichst vermieden werden.

Deutschland ist seit Jahren wichtigster Handelspartner. Die Investitionen deutscher Unternehmen sind in den vergangenen Jahren langsam aber stetig gewachsen. Derzeit existieren rund 180 deutsche Unternehmen in Griechenland.

Der Einfluss der Kirche ist größer als in Mitteleuropa. Rund 98% der Bevölkerung sind griechisch- orthodoxen Glaubens. Kirchliche Feierlichkeiten wie Taufe, Hochzeit und Ostern zählen zu den Höhepunkten des Jahres. Meist werden sie als Großereignisse mit zahlreichen Gästen gefeiert. Nicht nur in ländlichen Regionen sollte der ausländische Unternehmer es daher vermeiden, strittige Religionsfragen anzuschneiden.

Der Familie kommt eine große Bedeutung zu. Die Bindungen bleiben das ganze Leben lang sehr eng. Hieraus resultierende Verpflichtungen haben Vorrang gegenüber persönlichen Interessen. Dies wirkt sich auch auf die Arbeitswelt aus. Der autark führende griechische Firmenchef wird zum “verständnisvollen Vater”, wenn Angestellte wegen familiärer Verpflichtungen nicht zur Arbeit kommen (können) oder ein Verwandter eine Arbeitsstelle sucht. Führungskräfte werden geschätzt, wenn Sie persönliche Befindlichkeiten ihrer Mitarbeiter mitberücksichtigen. Gegenseitige Loyalität ist ein ungeschriebenes Gesetz.

Das Hierarchiegefüge ist in großen Unternehmen und internationalen Konzernen klar strukturiert und für den ausländischen Geschäftspartner transparent. In kleineren Betrieben ist es jedoch für den Außenstehenden oft schwer zu durchschauen. Oftmals übernimmt eine Person mehrere Funktionen. So kann es auch sein, dass der Kenntnisstand einzelner Mitarbeiter innerhalb eines Betriebes sehr unterschiedlich ist. Verschiedene Entscheidungsträger können eingebunden sein.

Grundsätzlich gibt es eine große Diskrepanz zwischen dem Lebenswandel auf dem Land und demjenigen in der Großstadt. In kleineren Städten, auf den Inseln und auf dem Land sind Traditionen stärker präsent und können auch Geschäftsverhandlungen beeinflussen. Die Herkunft ist jedoch auch für die Städter in Athen, Piräus, Thessaloniki oder Patras wichtig. Sich kennen und verbunden fühlen, gehört zum persönlichen Wohlgefühl. Die Dorfgemeinschaft wird als Familie im weitesten Sinne empfunden. Hier kennt und trifft man sich, selbst wenn sich das reale Lebenszentrum in die Stadt verlagert hat. In den Großstädten wohnen daher oft Menschen aus derselben Gegend in einem Viertel zusammen oder sind nach ihrem Herkunftsort in Clubs organisiert.

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