Verkauf von Forderungen
Als Sanierungsinstrument ist Factoring völlig ungeeignet

Factoring hatte in Deutschland lange mit einem Image-Problem zu kämpfen. Dieses Image basierte auf dem Vorurteil, Factoring werde lediglich von kleinen kriselnden Unternehmen zur Forderungseintreibung eingesetzt. Als Sanierungsinstrument ist Factoring allerdings völlig ungeeignet. Das haben auch die Unternehmen erkannt.

NEUSS. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Finanzierungssituation durch Factoring gezielt verbessern, steigt seit Jahren. Sie profitieren, weil die verkauften Forderungen aus der Bilanz verschwinden und der erzielte Verkaufspreis die Liquidität erhöht. Werden damit Verbindlichkeiten abgebaut, steigt die Eigenkapitalbasis und die Ratingnote verbessert sich. Das erleichtert den Zugang zu günstigen Bankkrediten.

2005 betrug der Factoring-Umsatz in Deutschland 55,1 Mrd. Euro. Rund 3 200 deutsche Unternehmen nutzten Factoring und verkauften Forderungen von 1,9 Mill. Debitoren. Die rasante Entwicklung setzte sich auch im ersten Halbjahr 2006 fort: 33 Mrd. Euro Umsatz bedeuten ein Plus von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bislang ist in Deutschland das so genannte „echte Factoring“ die vorherrschende Variante. Diese Form des Factorings deckt neben der Liquiditätsbeschaffung auch die Übernahme des Delkredererisikos und des Debitorenmanagements durch den Factor ab.

Viele Unternehmen geben das sensible Debitorenmanagement aber nur ungern aus der Hand. Daher werden inzwischen auch neue Vertragsarten mit einzelnen Factoring-Bestandteilen angeboten. So wird zum Beispiel das „stille Factoring“, bei dem die Geschäftspartner des Factoring-Kunden nichts vom Forderungsverkauf erfahren, immer beliebter.

Mit einem jährlichen Zuwachs von 22 Prozent wächst der deutsche Factoring-Markt im europäischen Vergleich am schnellsten. Trotzdem sind die Märkte in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien absolut betrachtet größer. Deutschland hat in Europa einen Factoring-Marktanteil von 7,4 Prozent. Damit liegt Deutschland hinter Großbritannien (237 Mrd. Euro), Italien (111 Mrd. Euro), Frankreich (89 Mrd. Euro) und Spanien (55,5 Mrd. Euro) auf dem fünften Platz. Auch die Factoring-Quote, bei der der Factoring-Umsatz in Relation zum BIP gesetzt wird, zeigt Unterschiede: In Deutschland liegt die Quote bei etwa 2,5 Prozent, die europäische Spitze bildet Großbritannien mit mehr als 13 Prozent.

Der Rückstand kann zum Teil mit der Tradition mittelständischer Finanzierung in Deutschland erklärt werden, die vor allem durch Eigenmittel und Bankkredite geprägt war. Die Beziehungen zur Hausbank waren entsprechend eng und langfristig. Eine alternative Finanzierungskultur mit Instrumenten wie Factoring konnte in dieser Zeit nicht entstehen. Die Situation hat sich geändert. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass das Firmenkreditgeschäft der Banken in Zeiten von Basel II erheblich aufwendiger geworden ist und daher zurückgeschraubt wurde. Auch wenn sich hier eine Besserung abzeichnet, bleiben alternative Finanzierungsquellen gerade für kleine und mittlere Unternehmen interessant.

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