Verkehrssysteme
Wenn das Smartphone zur Mitfahrerzentrale wird

Fahrer und Mitfahrer auch für kurze Strecken zusammenzubringen, das war das Ziel der Gründer von flinc. Dafür kombinierten sie die Fähigkeiten eines Smartphones mit denen eines Navigationsgerätes. Durch eine Echtzeitanalyse von Verkehrsbewegungen vermittelt das System nun innerhalb weniger Minuten Mitfahrgelegenheiten.
  • 1

DÜSSELDORF. Benjamin Kirschner wohnt in Darmstadt und muss am Mittag zu einer Besprechung mit seinen Kollegen in Dieburg sein. Statt sich mit dem Auto auf den Weg zu machen oder den Bus zu nehmen, sucht er sich eine Mitfahrgelegenheit. Er tippt in sein Smartphone das Ziel seiner Reise und die Uhrzeit, wann er dort sein muss und wartet. Keine fünf Minuten später erhält er das erste Angebot - von einem Fahrer, der auf dem Weg nach Dieburg ist und ihn in zehn Minuten zu Hause abholen könnte. Kirschner drückt die Bestätigungstaste und geht schon mal nach draußen.

Wenn es nach dem Marketingchef der flinc AG ginge, könnten Bürger in vielen Regionen der Welt eines Tages auf ein Auto verzichten und neben Bussen und Bahnen auch für kürzere Strecken eine Mitfahrgelegenheit nutzen. Kirschner hat die Idee und das Geschäftskonzept für den flexiblen Dienst 2007 im Rahmen einer Projektarbeit zusammen mit sieben Studenten der Hochschule Darmstadt entwickelt. "Wir sollten in unserem Abschlussprojekt des Studiums eine iMobility-Lösung entwerfen und haben uns dafür entschieden, eine Alternative zu den bisherigen Mitfahrzentralen im Internet zu entwickeln, die mobil ist und auch auf kurzen Strecken funktioniert", erläutert der 25-jährige die Idee.

Zwar gibt es auch für den Stadtverkehr inzwischen erste Lösungen. Autobauer Daimler hat Mitte September ein Pilotprojekt für einen solchen Dienst in Ulm gestartet. Das Besondere der Lösung, die die Darmstädter Studenten entwickelt haben, aber ist: "Wir verknüpfen internetfähige Navigationsgeräte mit Smartphones", hebt der flinc-Gründer den wichtigsten Unterschied hervor. Durch eine Echtzeitanalyse der Verkehrsbewegungen ist flinc in der Lage, freie Sitzplätze in Autos innerhalb weniger Sekunden zu vermitteln.

Um als Autofahrer einen Fahrgast zu finden, muss dieser nur sein Navigationsgerät einschalten, auf dem die flinc-Software installiert ist, und seinen Zielort eingeben. Sobald flinc einen potenziellen Mitfahrer findet, erscheint eine Anfrage auf dem Navi-Display. Diese beinhaltet das Ziel, den möglichen Umweg der entstehen würde und wie viel die Mitnahme einbringen würde.

Ist der Fahrer mit dem Angebot einverstanden, muss er nur noch den Bestätigungsbutton drücken. Das Navi leitet ihn anschließend automatisch zu dem Treffpunkt an dem die Person wartet und später zu dem Ort, zu dem er diese bringen soll. "Uns war es besonders wichtig, dass das System von allen Beteiligten so einfach wie möglich zu bedienen ist", sagt Kirschner. "Nur so können wir mit einer großen Akzeptanz rechnen."

Alle profitieren von der Technik: Die Mitfahrer können sich flexibel und günstig fortbewegen, die Fahrer reduzieren ihre eigenen Kosten, die Umwelt wird entlastet. Um mitzumachen müssen sich Interessenten nur auf der flinc-Plattform im Internet anmelden. Über die erfolgt auch die Bezahlung und die Bewertung der Mitfahrgelegenheit. Die von Kirschner und dem flinc-Team entwickelte Smartphone-App errechnet den Fahrtpreis und ermöglicht durch ein Ein-Click-Bezahlsystem eine bargeldlose Begleichung der Rechnung.

Seite 1:

Wenn das Smartphone zur Mitfahrerzentrale wird

Seite 2:

Kommentare zu " Verkehrssysteme: Wenn das Smartphone zur Mitfahrerzentrale wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So neu ist das Thema nicht. Nokia hat bereits vor ca. 3 Jahren hierzu Visionen entwickelt. Ein Fraunhofer institut bastelt an seiner Variante OpenRide. Die technische Umsetzung ist nicht die eigentliche Herausvorderung, sondern die flächendeckende Verfügbarkeit. Aber Pilotprojekte taugen wahrscheinlich wenig zur beurteilung der Aktzeptanz. Man stelle sich dazu ein Mobilfunknetz mit lediglich 5 Sendemasten in Deutschland vor. Das kann nicht funktionieren. Da flinc nun offensichtlich potente Partner an seiner Seite hat (Telekom, Navigon?), könnte es aber reichen, die über 30 Millionen berufspendler hellhörig zu machen 8-))

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%