Verlagerung nur zur Markterschließung
Autozulieferer entdecken Standort Deutschland neu

Viele blechverarbeitende Unternehmen stocken ihre Fertigung in der Heimat auf. Denn wo Innovation groß geschrieben wird und qualifiziertes Personal gefragt ist, rentiert sich der Umzug über die Grenzen oft nicht. Die Gefahr einer Produktionsverlagerung ist aber nicht gänzlich gebannt.

KÖLN. Der Weg nach Osten endet für die Arnold AG in Steinbach-Hallenberg. In dem thüringischen Ort hat der Blechverarbeiter im März seine neue Produktionsstätte fertig gestellt. In den Hallen entstehen Metallrahmen für Gepäck-Röntgenanlagen auf Flughäfen und Bauteile für die Medizintechnik. Aber die 109 Mitarbeiter fertigen auch Designelemente für Wandverkleidungen oder hochmoderne Treppenanlagen. „Die kleinen Stückzahlen machen es für uns rentabel, in Deutschland zu produzieren“, sagt Geschäftsführer Uwe Arnold. Zwar hatte man bei dem Unternehmen mit Sitz in Friedrichsdorf durchaus überlegt, Teile der Fertigung nach Osteuropa oder gar Fernost zu verlagern, sagt der Chef. „Aber nach sorgfältiger Abwägung aller Vor- und Nachteile ist für uns die Produktion in Deutschland optimal.“

Während viele Unternehmen längst gen Osten aufgebrochen sind und Polen, Bulgarien, Indien oder China als verlängerte Werkbank nutzen, gibt es zunehmend Betriebe, die sich ganz bewusst wieder für den Standort Deutschland entscheiden. Wo Innovation groß geschrieben wird und qualifiziertes Personal gefragt ist, rentiert sich der Umzug über die Grenzen nämlich oft nicht.

Das gilt gerade für Blechverarbeiter: Die Unternehmensberatung Ernst & Young hat kürzlich in einer Studie ermittelt, dass drei Viertel der Unternehmen ihre Produktion in Deutschland für die kommenden Jahre konstant halten wollen. 22 Prozent planen sogar eine Ausweitung der Fertigung hierzulande. Befragt wurden Auto-Zulieferer, zu denen etwa jedes zweite Mitgliedsunternehmen des Industrieverbandes Blechumformung zählt. „Nachdem jahrelang vor allem die hohen Kosten in Deutschland gesehen wurden, geraten nun die Vorteile des Standorts wieder verstärkt ins Blickfeld der Unternehmen“, sagt Peter Fuß, Leiter des Bereichs Automotive bei Ernst & Young insbesondere die gute Infrastruktur und die hervorragende Ausbildung der Mitarbeiter seien wichtige Argumente. Zwar könne Deutschland bei den Arbeitskosten auf absehbare Zeit nicht mit Osteuropa konkurrieren. „Hiesige Unternehmen werden aber eine Art Powerhouse der Automobilindustrie bleiben, indem neue Technologien vorangetrieben werden und die heimische Spezialisten somit in punkto Qualität und Innovation führend bleiben“, sagt Automotive-Experte Fuß.

„Zwar spielen die Lohnkosten in unserer Branche eine große Rolle“, weiß auch Blechverarbeiter Arnold. Allerdings sei dies nur einer von vielen Faktoren. „Man muss das Ganze betrachten“, sagt er. So seien die Materialkosten in der Vergangenheit stets stärker gestiegen als die Personalkosten und würden somit jeden Betrieb treffen - egal ob er in Thüringen produziert oder in Taiwan. Zudem sei die Rechtssicherheit und damit verbundene bessere Planbarkeit in Deutschland ein entscheidender Standortfaktor. Aus China höre man Geschichten von Arbeitern, die sofort zu Konkurrenten abwandern, sobald die ein paar Cent mehr Lohn bieten. „Die Loyalität der Mitarbeiter spielt eine entscheidende Rolle“, sagt Arnold. Die gemeinsame Sprache und Kultur seien ein weiterer Grund sich für die Produktion in Deutschland zu entscheiden.

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