Verpackungsfirmen
Rundumservice soll die Auftragsbücher füllen

Immer mehr Hersteller lagern das Verpacken ihrer Produkte komplett an Spezialdienstleister aus. Sortieren, Befüllen, Verpacken, Verschicken - wie Verpackungsfirmen ihren Umsatz mit Komplett-Dienstleistungen um bis zu 20 Prozent steigern wollen. Hintergund des Trends ist aber auch ein verändertes Konsumverhalten.

BREMEN. Lange musste Herbert Klumpp, Geschäftsführer der Colordruck W. Mack GmbH in Baiersbronn, nicht überlegen. Fünf Mio. Euro sollte das neue Zentrum für Verpackungsdienstleistungen kosten. Aber der Unternehmer ergriff die Chance - mitten in der Krise. "Der Markt verlangt es", sagt Klumpp.

Immer mehr Hersteller kommen nämlich in letzter Zeit auf sein Unternehmen zu: Sie wollen das Verpacken ihrer Produkte komplett auslagern. An Spezialdienstleister wie Colordruck. Seit August betreibt das Unternehmen deshalb sein 17 000 Quadratmeter großes "Packaging Service Center". Vollautomatische Pick- and Place-Roboter bestücken, verpacken und etikettieren jetzt Adventskalender, Pralinenschachteln und Kosmetik-Sets. Die Kunden von Colordruck, wo man ansonsten rund 20 000 Tonnen Karton pro Jahr produziert, sind internationale Markenartikler und Konsumgüterhersteller.

Für den Verpackungstechniker Colordruck ist die neue Dienstleistung ein Meilenstein der Unternehmensgeschichte. "Damit werden wir endgültig zum Verpackungsdienstleister", sagt Geschäftsführer Klumpp zufrieden. Zuletzt erwirtschaftete sein Unternehmen mit 180 Mitarbeitern rund 33 Mio. Euro. Von Neuaufträgen für sein Packaging Service Center verspricht sich Klumpp ein sattes Umsatzwachstum. "Seit der Inbetriebnahme ist die Zahl der Kundenanfragen sprunghaft gestiegen."

Der ehemalige Lohnfertiger, der Papierverpackungen früher lediglich bedruckte, hat sich zu einem Komplettdienstleister entwickelt. Damit steht Colordruck nicht alleine da. Mit immer neuen Zusatzdienstleistungen haben sich Verpackungshersteller zu sogenannten "Co-Packern" gemausert, die für ihre Kunden nicht nur Kartons, Kunststoffbeutel oder Displays produzieren, sondern die Waren auch gleich verpacken, umpacken oder sogar an den Handel ausliefern.

Dieses Outsourcing-Geschäft geht bis zur Übernahme ganzer Teilprozesse der Produktherstellung, dann spricht man auch von "Co-Manufacturing", der Übergang zu Kontraklogistikern, die teilweise ähnliche Dienstleistungen anbieten, ist fließend. Für die Branche, die mit ihren Verpackungsherstellern, der abpackenden Industrie und den Maschinenbauern in Deutschland rund 35 Mrd. Euro Umsatz macht, könnten die neuen, margenstarken Dienstleistungen einen Weg aus der Krise weisen. Denn insgesamt ächzen Verpackungstechniker unter dramatisch sinkenden Auftragseingängen: Einige Hersteller von Industrieverpackungen, die ihre Behälter etwa an Automobilzulieferer verkaufen, stehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Im ersten Halbjahr 2009 hatte knapp ein Drittel der deutschen Kunststoffverpackungsunternehmen Kurzarbeit angemeldet, im dritten Quartal werden es immer noch 26 Prozent sein.

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