Verpackungsindustrie
Duftende und klangvolle Handschmeichler

Verpackungen sollen heute nicht allein gut aussehen, sondern mindestens einen weiteren Sinn ansprechen. Seit etwa drei Jahren entwickeln Verpackungstechniker gezielt „multisensorische“ Produkte. Die Nachfrage nach den für mehrere Sinne designten Verpackungen ist bisher überschaubar. Experten sagen der Technik allerdings wachsenden Erfolg voraus.

KÖLN. Wenn Herrchen seinem Hund das Futter aus der Dose holt, ertönt nicht nur das klassische Ratsch-Geräusch. Die neue Plastikbox der Futtermarke Cesar gibt beim Öffnen und Schließen ein hörbares Klacken von sich. Das klingt banal - soll dem Hundehalter aber signalisieren, dass die Dose wirklich wieder geschlossen ist. Er kann sie dann in den Kühlschrank stellen, ohne dass sich dort Hundefuttergeruch verbreitet.

„Sehr gut gelungen“, lobt sich Angelo D’Angelico selbst. Der Geräusch-Experte hat die Verpackung mit seinem Akustik-Design-Unternehmen D'Angelico & Dietrich in Berlin entwickelt. „Klang ist hervorragend dazu geeignet, ein Produkt emotional zu verknüpfen.“

Verpackungen sollen heute nicht allein gut aussehen, sondern mindestens einen weiteren Sinn ansprechen. Das heißt gut riechen, sich unverwechselbar anfühlen oder beim Öffnen unwiderstehlich appetitlich knistern. Manche Verpackungen tun das ohnehin seit langem. Das bekannte „Plopp“ der Flaschen mit Flensburger Pilsener etwa ergibt sich aus der Natur des Bügelverschlusses. Seit etwa drei Jahren entwickeln Verpackungstechniker aber gezielt „multisensorische“ Produkte. Die Nachfrage nach den für mehrere Sinne designten Verpackungen ist bisher überschaubar. Experten sagen der Technik allerdings wachsenden Erfolg voraus.

Die Möglichkeiten optischer Reize sind nach Einschätzung vieler Verpackungstechniker ausgeschöpft. Ein bestimmter Geruch oder Klang, so die Hoffnung, hat das Potenzial, den Wiedererkennungswert eines Produktes enorm zu steigern. „Geruch und Klang zu designen empfiehlt sich nicht bei jedem Produkt“, warnt allerdings Marken-Experte Oliver Figge von der Berliner Branding-Agentur Meta-Design, die sich mit Markenberatung und Gestaltung befasst. „Das ist nur gut, wenn man es als Konsument steuern kann.“ Eine Verpackung, die dem Kunden aus dem Regal entgegen pfeift oder -tutet, dürfte mehr nerven als nützen. Auch eine duftende Cremedose hat im Supermarkt keine Chance, wenn die Kosmetik-Abteilung neben der Fischtheke liegt. Zudem können Düfte Allergikern Probleme bereiten.

Zu den Verpackungsspezialisten, die den Griff zum Duft trotz der Risiken gewagt haben, gehört die RLC Packaging Group mit Hauptsitz in Hannover. „Der Geruchssinn zählt zu den stärksten Sinnen“, erklärt Geschäftsführer Stephan Bestehorn. „Die Zielgruppe nimmt Duft nicht als bewusst eingesetztes Instrument wahr.“ An Gerüche kann man sich am besten erinnern, und im Gegensatz zu Geräuschen und Bildern können Kunden sie nicht ausblenden. Das Unternehmen hat deshalb eine Zahnpastaschachtel entwickelt, die von innen wie die Zahnpasta in der enthaltenen Tube riecht - und sich darüber hinaus dank spezieller Beschichtung kühl anfühlt.

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