Verpackungsindustrie
Oetker-Kast: Der Schildermacher aus Gernsbach

In Gernsbach ticken die Uhren anders. Während die Verpackungsindustrie unter der Flaute stöhnt und Umsatzrückgänge verbucht, wird Casimir Kast sein gutes Vorjahresergebnis halten können. Der Unternehmer Christian Oetker-Kast baut den 460 Jahre alten Betrieb seiner Familie mitten in der Krise aus - es ist nicht der erste Neustart.

BERLIN. Um was es bei dem Dreh geht, ist noch geheim. Christian Oetker-Kast weilt mit seiner Frau und seinen vier Kindern gerade in Südengland, doch heute schaut der Chef der Casimir Kast Verpackung und Display GmbH aus dem badischen Gernsbach selbst am Set vorbei. Er möchte der britischen Kreativagentur letzte Anweisungen geben, auf dass der Spot, der bald auf Youtube laufen soll, den letzten Schliff bekommt und sich der Markenname Casimir Kast bei potenziellen Kunden einbrennt.

Der 43-jährige leitet das mittelständische 120-Mitarbeiter-Unternehmen, das sich auf Verpackungen und Displays aus Vollkarton und Wellpappe für Markenartikler spezialisiert hat. Zu den Kunden zählen Bosch, Edeka, Hansgrohe, Haribo, Hipp und die Rotkäppchen Mumm Sektkellerei. Während Mitbewerber in dieser Größe sich allenfalls dazu durchringen, mal einen Imagefilm zu drehen, setzt Oetker-Kast auf die neuen Werkzeuge des Marketings. Ungewöhnlich genug.

In Gernsbach ticken die Uhren ohnehin etwas anders. Während die Verpackungsindustrie unter der Flaute stöhnt und teilweise zweistellige Umsatzrückgänge verbucht, wird Casimir Kast sein gutes Vorjahresergebnis mit 32 Mio. Euro Umsatz halten können. Sogar neun neue Mitarbeiter hat er eingestellt. Und kräftig investiert, auch das ist derzeit selten - zumal in diesem Umfang: Vor zwei Jahren hat der Unternehmer fast neun Mio. Euro in neue Maschinen und eine neue Produktionshalle gesteckt, bis Ende des nächsten Jahres will er noch mal 8,5 Mio. Euro in die Hand nehmen. "Damit investieren wir insgesamt gut die Hälfte des jährlichen Umsatzes, um den Standort Gernsbach zu stärken", sagt der Chef nicht ohne Stolz.

Er ist keiner, der seinen Kopf in den Sand steckt, wenn die Lage unübersichtlich wird. Er denkt perspektivisch, während andere ängstlich die Füße still halten. "Jetzt die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen ist geradezu zwingend."

Wenn die Konjunktur wieder anzieht, investieren alle. Das mache Investitionen dann auf einmal unnötig teuer, erklärt Oetker-Kast seine Strategie, die ihn zu einem selbstbewussten Verhandlungspartner für Maschinenbauer macht. "Jetzt ist der Zeitpunkt, um den Vorsprung gegenüber unseren Wettbewerbern auszubauen."

Ist diese Denke der Schlüssel zum Erfolg? "Nein, ein Erfolgsgeheimnis habe ich nicht. Grundsätzlich bin ich aber überzeugt davon, dass Machen besser als Abwarten ist", sagt Oetker-Kast. Es verwundert nicht, dass er, der Antizyklische, in seinem Xing-Profil "kreative Problemlösung und Querdenken" anbietet. Das zahlt sich offenbar aus, wie auch der Umstand, dass sich das Familienunternehmen seine Eigenständigkeit bewahrt hat.

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