Verpackungstechnik
Zucker und Mais sollen Petrochemie ablösen

Waren Folien und Granulate aus Zuckerrohr, Mais oder Kartoffeln lange vor allem für umweltbewusste Verbraucher interessant, denken mittlerweile immer mehr Verpackungstechniker um. Noch ist Bioplastik wesentlich teurer als herkömmliche, erdölbasierte Materialien. Doch das Preisverhältnis könnte sich bald drehen.

KÖLN. Schoeller-Aldo GmbH & Co KG aus Langerwehe bei Aachen ist eigentlich ein klassischer Polyethylenhersteller. Vor zwei Jahren aber begann das Unternehmen, flexiblen Folien aus nachwachsenden Rohstoffen zu testen. "Aus Verantwortung gegenüber der Umwelt" sei er diesen Schritt gegangen, erklärt Geschäftsführer Philipp Depiereux, aber zu gleichen Teilen auch aus unternehmerischem Kalkül. Denn: "Ölbasierte Rohstoffe werden weiterhin im Preis steigen." Inzwischen fertigt das Unternehmen unter dem neuen Namen Alesco GmbH & Co. KG kompostierbare Biofolien aus Maisstärke.

Die Diskussion um Bio-Kunststoffe verändert sich derzeit: Waren Folien und Granulate aus Zuckerrohr, Mais oder Kartoffeln lange vor allem für umweltbewusste Verbraucher interessant, denken mittlerweile immer mehr Verpackungstechniker auch an die Zeit nach dem Erdöl. Noch sind Biokunststoffe deutlich teurer als herkömmliche, erdölbasierte Materialien. Doch weil Erdöl knapp wird und zunehmend als klimaschädlich angesehen wird, könnte sich das Preisverhältnis drehen, glaubt Harald Käb vom Verband European Bioplastics: "Biokunststoffe stellen eine ausgezeichnete Perspektive für Wachstum und Investitionen in Europa dar." Auch auf der Fachmesse Interpack startet in diesem Jahr eine Sonderschau mit dem Schwerpunkt Biokunststoffe.

Der Preis für Erdöl hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt und lässt bei vielen konventionellen Verpackungstechnikern jetzt schon die Erträge schmelzen. "Die steigenden Energie- und Rohstoffkosten belasten die überwiegend mittelständisch geprägte Branche erheblich", sagt Ulf Kelterborn, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Kunststoffverpackungen (IK). "Biokunststoffe werden immer wettbewerbsfähiger", freut sich dagegen Bioplastik-Funktionär Harald Käb.

Bisher ist ihr Marktanteil gering. Nach Schätzungen der IK liegt die Produktion von Verpackungen aus Biokunststoffen in Deutschland bei rund 4 000 Tonnen, das entspricht etwa 0,1 Prozent der Kunststoffverpackungen. Doch die Wachstumsraten sind zweistellig.

"Immer mehr Endverbraucher fragen gezielt nach Bio-Packungen", beobachtet Patrick Gerritsen, Geschäftsführer der Natura Verpackungs GmbH aus Rheine. Sein Unternehmen stellt aus biologischen Rohstoffen kompostierbare Obst- und Gemüseschalen her. Bei biologischen Lebensmittel ist es mittlerweile zu einer Image-Frage geworden, auf Umwelt schädigende Verpackungen zu verzichten.

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