Verpackungsverordnung
Duale Systeme kämpfen um ihren Markt

Immer mehr Konsumgüterhersteller drucken den „Grünen Punkt“ auf ihre Verpackungen, ohne das Recht dazu zu kaufen. Verbraucher werfen auch diesen Müll in die Gelbe Tonne – entsorgen also die Dualen Systeme, ohne dafür bezahlt zu werden. Jetzt soll eine Novelle der Verpackungsverordnung den Handel zum Zahlen zwingen.

KÖLN. Glaubt man der Statistik, dann müssten die Deutschen ihre Einkäufe unverpackt nach Hause tragen: Die Menge des gemeldeten Verpackungsmülls ist in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Dabei wächst die Wirtschaft wie lange nicht mehr. Und auch die Müllmänner holen genauso so viel Müll ab wie immer. Die Dualen Systeme, die im Auftrag von Herstellern und Handel Verpackungsmüll sammeln, klagen seit langem, dass Trittbrettfahrer der Grund sind.

„Wir haben alle das gleiche Problem, was die Trittbrettfahrer angeht“, betont Stefan Schreiter, Geschäftsführer des Dualen Systems Deutschland. Immer mehr Konsumgüterhersteller drucken demnach den „Grünen Punkt“ auf ihre Verpackungen, ohne das Recht dazu zu kaufen. Verbraucher werfen aber auch diesen Müll in die Gelbe Tonne - also entsorgen die Dualen Systeme, ohne dafür bezahlt zu werden. Mittlerweile liegt der Trittbrettfahreranteil mit 25 Prozent so hoch, dass eine Studie des Beratungsunternehmens A.T. Kearney den Systemkollaps voraussagte. „Dann werden im ersten Quartal 2008 die gelben Tonnen und Säcke an der Straße stehen bleiben“, warnt Johannes-Jürgen Albus, Vorstandschef der Interseroh AG.

In seltener Einigkeit mit seinen Konkurrenten fordert er deshalb, die Novelle der Verpackungsverordnung möglichst schnell umzusetzen. Das Bundeskabinett hat sie im September verabschiedet, und sie könnte in etwas über einem halben Jahr in Kraft treten. Betriebe haben dann nicht mehr die Wahl, ob sie ihre Verpackungen selbst recyceln oder von einem Unternehmen des dualen Systems entsorgen lassen. Trittbrettfahrer sollen zum Bezahlen gezwungen werden. DSD-Chef Schreiter hält dadurch Preissenkungen von etwa 17 Prozent für möglich. Auch Jan Patrick Schulz, Vorstandschef der Landbell AG, ist optimistisch: „Jetzt herrscht endlich Klarheit im Wettbewerb.“

Experten zufolge ist das Kuddelmuddel letztlich Folge der Öffnung des zwei Mrd. Euro schweren Marktes vor vier Jahren. Statt einem betreiben jetzt mehrere Unternehmen ein duales System – das erschwert Marktprüfern die Kontrolle, ob wirklich jeder, der das „Grüne Punkt“-Zeichen benutzt, dafür auch gezahlt hat. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hält das System offenbar für völlig verfehlt und hat in der vergangenen Woche angeregt, den Grünen Punkt mittelfristig ganz abzuschaffen.

Bis vor vier Jahren war der Markt denkbar einfach aufgebaut: Zehn Jahre lang hatte die Duales System Deutschland GmbH (DSD) ihr Monopol gehalten, bis die EU-Kommission anderen die Zulassung ermöglichte. 2003 wurde die Landbell AG mit Sitz in Mainz zweites duales System in Deutschland, es folgte Interseroh aus Köln, und seit rund einem Monat ist die Kölner Vfw GmbH bundesweit zugelassen.

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