Versicherungsschutz
Unternehmer fürchten neue Risiken

Exportgeschäfte scheitern immer öfter nicht nur an der Finanzierung, sondern bereits an der Absicherung. In der Krise ist der private Versicherungsschutz für einige EU-Länder zusammengebrochen. Viele Mittelständler müssen sogar auf Hermes-Bürgschaften zürückgreifen.

DÜSSELDORF. Ludwig-Rüdiger Kronitz ist gefragt wie lange nicht mehr. Ob auf Veranstaltungen von Wirtschaftsverbänden oder in privaten Beratungsgesprächen: Er und seine Mitarbeiter im Außendienst der Euler Hermes Kreditversicherung können sich derzeit vor Arbeit kaum retten.

Der Anlass ist weniger erfreulich. Inzwischen fangen die Probleme vieler Mittelständler nicht bei der Finanzierung ihrer Exporte an, sondern schon bereits bei deren Absicherung. "Für die Mittelständler sind die Hermes-Bürgschaften oft der letzte Strohhalm, um doch noch eine Finanzierung für ihr Auslandsgeschäft aufzutreiben", sagt Vertriebs-Fachbereichsleiter Kronitz. Der Kreditversicherer wickelt für die Bundesregierung eigentlich Exportkreditgarantien für unsichere Länder ab, für die es keine private Deckung gibt.

Doch jetzt erhielt Kronitz allein für kurzfristige Geschäfte in EU- und OECD-Ländern, deren Absicherung in normalen Zeiten den privaten Kreditversicherern vorbehalten ist, in diesem Jahr fast 40 schriftliche Anfragen und ungezählte Anrufe. Der Grund: Weil die privaten Exportkreditversicherer die Risiken für bestimmte Länder entweder gar nicht oder nur zu sehr hohen Prämien übernehmen wollen, hoffen in der jetzigen Lage viele Unternehmen auf den kürzlich erweiterten staatlichen Schutzschirm.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die EU-Kommission beschlossen, dass staatliche Exportkreditversicherer unter bestimmten Voraussetzungen befristet bis Ende 2010 wieder solche Risiken absichern dürfen, die eigentlich auf dem freien Markt eine Deckung erhalten würden. Dazu zählen etwa Exporte in EU-Staaten und in Kernländer der OECD mit einer Kreditlaufzeit unter zwei Jahren - allerdings nur, wenn kein ausreichender privater Versicherungsschutz vorhanden ist. Als Nachweis fordert die Kommission entweder, dass vier etablierte nationale Exporteure belegen, für ihre Geschäfte keine private Absicherung erhalten zu haben. Oder aber, dass sowohl ein internationaler als auch ein nationaler Exportversicherer bestätigt, dass auf dem privaten Markt kein Versicherungsschutz angeboten wird.

"Die Erfahrungsberichte mittelständischer Exporteure zeigen, dass der Markt für private Kurzfristabsicherungen in einigen Ländern wie Ungarn, Island und den baltischen Staaten fast vollständig zusammengebrochen ist", sagt Alexander Lau, Referatsleiter Handelspolitik und EU-Außenwirtschaftsförderung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Auch wichtige Zielmärkte wie Großbritannien und Spanien sind betroffen, die Exporteure brauchen jetzt sofort Hilfe", sagt Lau.

Zunächst müssen sie sich aber noch gedulden. "Wir sind gerade dabei, den ersten Vorstoß auf den Weg zu bringen", berichtet Euler-Hermes- Fachmann Kronitz. Die Allianz-Tochter bereitet die erforderlichen Belege auf, die das Bundeswirtschaftsministerium anschließend in Brüssel einreichen kann. Die EU-Kommission entscheidet dann innerhalb von maximal zwei Monaten, ob die Vorgaben erfüllt sind. Experten kritisieren, dass die Kommission eine zusätzliche Instanz sei, die schnellen Lösungen im Wege stehe.

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