Verteidigung gegen Übernahmen
Japaner lassen Muskeln spielen

Die Aktivitäten zur Verteidigung der bestehenden Aktienkultur in Japan sind derzeit intensiv. Um vor unfreundlichen Übernahmen gefeit zu sein, erhöhen viele japanische Unternehmen ihre Abwehrmaßnahmen.

bfai TOKIO. Übernahmen durch ausländische Käufer werden in Japan nicht grundsätzlich als schlecht eingestuft. Die japanischen Firmen, die in den letzten zehn Jahren bis Ende 2005 von ausländischen Unternehmen aufgekauft wurden, konnten ihren Wert innerhalb von drei Jahren im Durchschnitt um 25% erhöhen. Solche, die von anderen japanischen Käufern erworben wurden, jedoch lediglich um durchschnittlich 10%, so eine Untersuchung der Firma ABeam M&A Consulting.

Freundliche Übernahme-Angebote werden durchaus gut geheißen, wie beispielsweise dass Volvo im Jahr 2007 seine Anteile an der Lastwagensparte Nissan Diesel Motor weiter erhöhen wird. Bereits unter Dach und Fach ist die Einverleibung von Nikko Cordial durch die Citigroup. General Electric bietet für die Übernahme von Sanyo Electric Credit. Der Wert allein dieser drei Transaktionen beträgt schon mehr als 1 Bill. Yen (circa 6 Mrd. Euro).

Es sind insbesondere Beteiligungsgesellschaften und -fonds, die in Japan wie auch in Deutschland mit einem überwiegend schlechten Image in Verbindung gebracht werden. Aber gerade diese haben ihre Aufmerksamkeit stärker auf den japanischen Markt gerichtet, da hier eine Vielzahl unterbewerteter und unterkapitalisierter Unternehmen existiert. Erreichte die Höhe der privaten Beteiligungsgesellschaften im Jahr 2006 etwa 9 Mrd. US$, so soll sie zukünftig deutlich steigen.

Von den fast 3.950 Unternehmen, die an der japanischen Börse Ende Juni 2007 gehandelt wurden, dürften mittlerweile bereits 10% Maßnahmen gegen Übernahmen eingeführt haben. Gemäß einer Untersuchung von Nomura Securities hatten bis Ende März 229 börsennotierte Firmen solche Schritte unternommen, davon allein 51 Unternehmen in den ersten drei Monaten 2007.

Auf den im Juni veranstalteten Hauptversammlungen waren es nochmal mehr als 200 Unternehmen, die den Punkt ihren Aktionären zur Zustimmung vorlegten. Besonders aktiv waren die Stahlkocher, von denen bis Ende März 2007 bereits 17,5% ihre Regularien dahingehend abgewandelt hatten. Dies war die höchste Rate von 33 Branchen, die insgesamt untersucht wurden.

Bei Landtransportfirmen erreichte der Anteil 15,2%. Auch bei Unternehmen aus der Schiffsbranche, der chemischen Industrie, Papier- und Pappeerzeugern und Präzisionsgeräteherstellern lag der Anteil bereits bei mehr als 10%. Dabei wollen sich in knapp 96% der untersuchten Unternehmen dadurch verteidigen, dass sie ein Frühwarnsystem einrichten.

Die Zahl der M&A-Aktivitäten im Jahr 2006 beliefen sich auf einen Wert von etwa 15 Bill. Yen und umfassten 2.775 Fälle. Davon waren 78,4% der Fälle innerjapanische M&A und 6,2% solche, in denen sich ein ausländischer Investor in ein japanisches Unternehmen einkaufte. Von Japan ins Ausland gerichtet waren 14,8% der Fälle, so Angaben des Kabinettbüros.

Internationale Investoren halten 28% der japanischen Aktien. Für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft, die sonst wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist dies ein vergleichsweise hoher Anteil. Dies wird dazu führen, dass stärker westliche Ansätze in der Aktienkultur um sich greifen, denn ausländische Investoren fokussieren stark auf Einkünfte aus Eigenkapital, wie Dividenden.

Im Vergleich zu den USA kamen die japanischen Aktiengesellschaften in den Jahren zwischen 2000 und 2003 gerade einmal auf eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 2,4%, US-amerikanische Unternehmen auf 9%. Zwar haben japanische Unternehmen ihre Dividendenzahlungen seit 2004 erhöht, aber die Kluft der Aktienkulturen tritt immer noch deutlich zutage. Japan stellt bislang die Erfordernisse der Unternehmen und Angestellten höher als die der Aktionäre und dies sollte sich kurz- und mittelfristig auch nicht grundlegend ändern.

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