Vertriebsmodelle
Franchising profitiert von der Krise

Für Tausende ist Franchising das ideale Mittelding zwischen Selbstständigkeit und klassischem Arbeitnehmerdasein. Das Prinzip expandiert in Deutschland rasant – und das schon seit 30 Jahren. Krisenfest scheint das Franchising also zu sein. Aber eine Rezession, wie sie nun bevorsteht, hat es noch nie gegeben.

DÜSSELDORF. Sie backen Brötchen, wenden Burger, verkaufen aber auch Häuser, Brillen und Zahnprothesen: Franchising ist nicht auf spezielle Branchen beschränkt. Das wohl bekannteste Beispiel ist McDonalds. Weitere Franchise-Geber sind Hagebaumarkt, Kamps, Backwerk, Back-Factory, GoDentist, Joe’s Pizza oder der Häuslebauer Town & Country Haus.

Franchising ist ein Vertriebsmodell, kurz gesagt die Alternative zum Filialsystem. Hier gibt es eine Zentrale, die ihre Angestellte auf Filialen verteilt. Beim Franchising ist der Chef eines Standortes praktisch selbstständig. Er zahlt zum Start eine Summe, in der Regel zwischen 10 000 und 20 000 Euro, und bekommt dafür ein Konzept plus eine Marke. Den Großteil des Gewinns darf der sogenannte Franchise-Nehmer behalten. Wenn er genug beisammen hat, gründet er weitere, eigene Filialen.

Der Nachteil des Franchising ist: Die Freiheiten des Franchise-Nehmers sind stark beschränkt. Das Marketing wird von der Zentrale genauso vorgegeben wie die Produkte. Bei McDonalds muss ein BicMac immer gleich zubereitet werden aus vorgegeben Nahrungsmitteln. Die wiederum dürfen nur von vorgegeben Lieferanten eingekauft werden. Der Kreativität sind also meistens recht enge Grenzen gesetzt.

Seit 30 Jahren gibt es Franchising in Deutschland. Und bisher ist es eine Erfolgsstory: 2008 gibt es in Deutschland laut Daten der spezialisierten Unternehmensberatung Peckert 121 344 Franchise-Betriebe, die einen Umsatz von 62,5 Mrd. Euro generieren. Jeweils 35 Prozent sind in den Bereichen Handel und Dienstleistung tätig, 17 Prozent im Bereich Gastronomie und Touristik sowie und 13 Prozent im Baugewerbe inklusive Handwerk. 664 000 Menschen arbeiten derzeit in Franchise-Betrieben, 299.000 davon sind allerdings geringfügig Beschäftigte und freie Mitarbeiter.

2009 soll diese Zahl auf 711.000 steigen. Das mutet optimistisch an angesichts der Rezession in Deutschland. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich laut OECD und nahezu allen Wirtschaftsinstituten verschlechtern. Für die Franchise-Branche könnte darin eine große Chance liegen, glaubt Felix Peckert, einer der führenden Unternehmensberater im Franchise: „Die Krise bietet für die Franchise-Geber einige Vorteile. Leider wird es laut Prognosen von höchster Stelle zu höherer Arbeitslosigkeit kommen. Das bedeutet für die Franchise-Geber, dass die Auswahl an qualifizierten Franchise-Nehmern steigen wird.“

Dazu kommt laut Peckert noch ein psychologischer Effekt: „Die Deutschen sind im Vergleich zu anderen Nationalitäten recht risikoscheu. Je schlechter die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind, desto eher sind viele Menschen bereit, Franchise-Nehmer zu werden. Das Risiko ist in dieser Phase kaum größer als klassischer Arbeitnehmer zu sein.“

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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