Verzinkerei Herzlake
Ein gutes Konzept macht flüssig

Im Emsland ist die modernste Verzinkerei Europas entstanden, die nun die Wettbewerbsfähigkeit der Metall verarbeitenden Betriebe im Umkreis erhöht. Doch bis zum ersten Spatenstich musste Gründer Andreas Tiemann 16 Millionen Euro zusammenbringen. Kapital der Förderbank Niedersachsens und eine Bürgschaft ermöglichten den Bau.

WERTHER. Die Kamera im Web zeigt keine Touristenorte, sondern eine Fabrikhalle auf dem platten Land. Rund um die Uhr kann jeder auf der Firmen-Homepage sehen, was sich so tut auf dem Betriebsgelände der Verzinkerei Herzlake. Europas modernste Verzinkerei muss sich nicht verstecken - sie ist ein Vorzeigeprojekt für das Emsland.

Im Emsland gibt es eine hohe Dichte an Metall verarbeitenden Betrieben - in einem Umkreis von 200 km sind es über 1 200 Firmen. Früher mussten sie den Stahl zum Verzinken ins Ruhrgebiet oder Siegerland transportieren lassen. Schwer zu sagen, wie viel Emissionen da auf der Strecke blieben. Für den Verkehr ist die Verzinkerei vor Ort eine große Entlastung - und für die Betriebe eine finanzielle. Denn die Unternehmen können sich Transportkosten sparen. "Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der umliegenden Betriebe", sagt Andreas Tiemann. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Verzinkerei Herzlake. Das schmutzige Image von Zinkhütten und Verzinkereien - in Herzlake ist es damit vorbei. Die Verzinkerei produziert die geringsten Emissionen, verfügt über eine Luftwäscheranlage - und auch der Fluss, die Hase, bleibt sauber. Denn die Anlage ist als geschlossenes System konzipiert. In Herzlake läuft der Betrieb vollautomatisch. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, wurde die Anlage mit modernster Technik ausgestattet. "Personal ist in Deutschland sehr kapitalintensiv - daher ist weniger mehr", erklärt Tiemann seine Strategie. Immerhin: Mehr als 60 Menschen arbeiten in der Verzinkerei - bei Auftragsspitzen sind es auch 100.

Doch Gründer Tiemann ging es um mehr als um die dauerhafte Schaffung von Arbeitsplätzen - er wollte eine neue Infrastruktur schaffen. Seit dem Lückenschluss der A31 vor sieben Jahren hatte sich im vorher strukturschwachen Emsland ein Wandel vollzogen - binnen weniger Jahre mauserte sich die rückständige Region zur Metall-Hochburg. Tiemann, der im Betrieb seines Schwiegervaters Anlagen für Kunden in der ganzen Welt konzipierte, plante 2003 die erste Verzinkerei im Emsland - seine eigene.

Doch bis zum Spatenstich 2007 musste er 16 Mio. Euro zusammenbringen. "Obwohl es Planzahlen gab, waren die Gespräche mit Banken schwierig, wobei sich die regionalen Institute eher etwas unter dem Projekt vorstellen konnten als die Großbanken." Geholfen hat ihm die Wirtschaftsförderung Meppen und ein Gutachten von Price Waterhouse Cooper. "Die Wirtschaftsförderung stellte den Antrag und PWC führte die interne Prüfung für das Land Niedersachsen durch", sagt Tiemann. Über die NBank, die Förderbank Niedersachsens, erhielt er eine Förderung in Höhe von 1,6 Mio. Euro - Geld, das nicht zurückgezahlt werden musste und im Branchenjargon verlorener Zuschuss genannt wird.

Die Gutachten gaben ihm Gewissheit, dass die Verzinkerei eine Zukunft hat - mit oder ohne Zuschuss. "Davon hing das Projekt nicht in erster Linie ab, sondern eher von den neun Mio. Euro Darlehen der Volksbank Lingen, das an die Bedingung geknüpft war, dass 30 Prozent Eigenkapital vorhanden sind", sagt Tiemann. Ein Teil dieses Eigenkapitals kam von einer Holding aus Holland, der andere von der Stahlbaufirma Wurst. Die Wurst die ihr Betriebsgelände in Bersenbrück gerade um das Doppelte erweitert, expandiert so stark, dass sie sich in Herzlake eine bevorzugte Auftragsannahme sicherte. "Die Beteiligung ist strategisch, weil wir schneller als der Wettbewerb liefern können", sagt Geschäftsführer Thomas Wurst. Mit ihm gewann Tiemann nicht nur einen Partner, sondern einen Auftraggeber, der die Auslastung der Verzinkerei garantierte. Die Hausbank verlangte dennoch eine Bürgschaft - und bekam sie von der Niedersächsischen Bürgschaftsbank NBB in Hannover. Die NBB ist eine Selbsthilfeeinrichtung der niedersächsischen Wirtschaft. "Wir übernehmen Risiken und stellen über unsere Schwestergesellschaft, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, auch Mittel zur Verfügung", sagt Rainer Breselge. Der Geschäftsführer der NBB erinnert sich gern daran, "dass er mit der Bürgschaft einen Beitrag leisten konnte."

Mittlerweile erfüllt die Verzinkerei die Planzahlen - und ist zu einer Sehenswürdigkeit in der Region geworden. Zwar haben die heimischen Speditionsbetriebe an der Verzinkerei vor der Haustüre weniger Freude - doch die Busunternehmer um so mehr: Die Wirtschaftsförderung organisiert Besichtigungen nach Herzlake zur Verzinkerei Tiemanns - und die Touristen sind über die Webcam zu sehen.

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