Vier Fragen an: Stephan Paul
„Banken müssen stärker aufklären“

Stephan Paul ist Professor an der Ruhr-Universität Bochum und Mit-Autor des Handelsblatt Wirtschafts-Lexikons. Mit dem Handelsblatt spricht er darüber, warum Mittelständler noch selten Forderung mittels ABS verbriefen und worin die Vorteile des Finanzprodukts liegen.

Der Anteil mittelständischer Firmen, die Forderungen mittels ABS verbriefen, ist noch relativ gering. Warum?

Zum einen könnte der Aufwand abschrecken, zum anderen setzen sich viele mittelständische Unternehmen generell ungern mit Finanzierungsstrategien und speziell alternativen Finanzierungsformen auseinander. Das hat erst jüngst eine Umfrage unseres Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft unter mittelständischen Unternehmen in NRW bestätigt. Da müssen die Banken noch eine Menge Aufklärungsarbeit leisten.

Aber muss denn ein Mittelständler alle Spielarten des Kapitalmarktes nutzen?

Das kommt auf die Größe an. Ein Unternehmen mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro sicher nicht. Aber wenn zum Beispiel ein größerer Automobilzulieferer nur den klassischen Bankkredit kennt, ist das so, als würde er sich ausschließlich althergebrachter Produktionstechniken bedienen.

Warum sind ABS für größere Mittelständler interessant?

Sie machen Unternehmen unabhängiger von den Banken. Das ist wichtig, weil es für Mittelständler künftig schwieriger werden dürfte, wie bislang einen Großteil des Cash-Flows aus der internen Finanzierung zu decken. Und ob die Banken immer so günstig Kredite wie derzeit vergeben, ist unsicher. Zudem können Unternehmen ihr Risikomanagement verbessern, indem sie Klumpenrisiken im Forderungsbestand aus der Bilanz entfernen.

Und was ist mit den Kosten?

Die ABS können günstiger sein als der klassische Bankkredit. Die Unternehmen müssen aber darauf achten, dass sie nicht alle guten Forderungen verkaufen. Das könnte ihre allgemeine Bonität verschlechtern. Wichtig ist, dass die durch die Verbriefung gewonnenen Mittel so investiert werden, dass daraus neue, qualitativ hochwertige Forderungen entstehen.

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