Villeroy & Boch
„Wir sind hoffnungslos unterbewertet“

Es waren schwierige Zeiten für den Keramikhersteller Villeroy & Boch. Unter großen Anstrengungen reformierte der Konzern verkrustete Strukturen. Mit großem Erfolg. Doch dann kam die Krise. Vorstandschef Frank Göring und Aufsichtsratschef Wendelin von Boch über die harten Einschnitte der Vergangenheit, die Strategie für die Zukunft und was der Familie wichtig ist.

Herr von Boch, im ersten Halbjahr sank Ihr Umsatz um 20 Prozent auf 350 Millionen Euro, die Zahl der Arbeitsplätze soll um zehn Prozent sinken. Sind Sie da nicht froh, dass Sie den Vorstandsvorsitz vor zwei Jahren abgegeben haben?

Von Boch: Ich weiß nicht, ob ich in meinem Alter diesem Stresstest gewachsen gewesen wäre. Deswegen bin ich froh, dass meine Nachfolge gut organisiert war. Frank Göring war mein Wunschkandidat. Er war jung, etwas widerspenstig, frech und nonkonformistisch. Und er war überrascht, als ich ihn plötzlich auf der Liste hatte. Weil wir auch viel gezankt haben, über die ganze Zeit.

Göring: Es geht auch heute noch richtig zur Sache. Wir sind beide impulsive Typen. Da kann es deutlicher werden.

Inwiefern?

Von Boch: Wir haben mal diskutiert, ob wir Urinale überall aufstellen wollen, also auch in Bahnhofstoiletten und so.

Und?

Göring: Wir machen's noch. Wendelin von Boch war dafür.

Von Boch: Absolut. Wir haben eine Untersuchung gemacht, ob es einen Benutzer unseres Geschirrs stört, auch auf der Toilette Villeroy & Boch zu sehen. Das waren weniger als zwei Prozent.

Herr Göring, ahnten Sie, was auf Sie zukommt, als Sie angefangen haben?

Göring: Das habe ich mir ganz anders vorgestellt und Wendelin von Boch hat das auch ganz anders geschildert.

Von Boch: Ach, komm!

Göring: Jetzt kannst Du loslegen, meinte er. Ich habe nicht dran gedacht, dass das kippen könnte. Wir waren so gut unterwegs, es gab nicht die geringsten Anzeichen für eine Krise.

Um der Krise zu begegnen, haben Sie sechs Werke geschlossen, unter anderem hier in Mettlach und in Luxemburg. Hat Ihnen da nicht das Herz geblutet, Herr von Boch?

Von Boch: Das hat mir schon wehgetan. Tradition spielt bei uns eine entscheidende Rolle. Immerhin ist Luxemburg die Wiege unserer Familie. Die Betroffenheit ging bis hoch zum Großherzog. Wir sind Teil der Identität Luxemburgs. Aber dem Werk hat die kritische Masse gefehlt, um überlebensfähig zu sein.

Wie werden die Veränderungen aufgenommen?

Göring: Das führt natürlich zu Diskussionen. Für viele ist das schon ein deutlicher Wandel. Gerade die Kosteneinsparprogramme müssen stringent umgesetzt werden, da darf man sich nicht erweichen lassen.

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