Vita
Der Eisverkäufer und Manager der Nummernschilder

Von Managern erwartet man, dass sie schnell entscheiden und handeln. Doch manchmal kann es auch von Vorteil sein, erst einmal zu zögern und genauer hinzuschauen. Diese Regel hat Knut Nolte beherzigt – und damit alles richtig gemacht. Als Externer treibt Nolte die Internationalisierung eines Kennzeichen-Anbieters voran. Eine ungewöhnliche Karriere.

KÖLN. Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften arbeitete Nolte beim Unternehmen Eismann, das sich auf den Vertrieb tiefgekühlter Lebensmittel spezialisiert hat. Nach dem Trainee-Programm leitete er zwei Niederlassungen in Hamburg, mit 31 war er bereits für fünf Filialen verantwortlich. Und dann bekam Nolte 1994 einen Anruf von einem Headhunter.

Beauftragt hatte den ein gewisser Christoph Kroschke. Der hatte eine neue Geschäftsidee und wollte Nolte abwerben – doch er lehnte ab: „Einerseits war ich zufrieden bei Eismann, andererseits kannte ich Kroschke und das Unternehmen nicht“, sagt Nolte heute. Damit ist er allerdings nicht allein, denn die Christoph Kroschke AG gehört zu den Hidden Champions des deutschen Mittelstands.

Rückblick. Im Jahr 1957 war das deutsche Wirtschaftswunder in vollem Gange, Autos wurden immer beliebter. In Braunschweig hatte das Ehepaar Kroschke eine Geschäftsidee: Das Prägen von Autokennzeichen. Der Legende nach verlief der Verkauf zu Beginn reichlich abenteuerlich: Elfriede Kroschke stellte sich mit ihrem Auto in die Nähe der örtlichen Zulassungsstelle und nahm Bestellungen entgegen. Die gab sie dann telefonisch an ihren Mann Martin weiter, der die Nummernschilder im hauseigenen Keller anfertigte. Mit den Schildern eilte er dann zur Zulassungsstelle und montierte sie an die Autos der Kunden. Fünf Jahre später wurde das Ganze dann professioneller, die Kroschkes eröffneten das erste Ladengeschäft. So richtig begann der Aufstieg, als die beiden Söhne Christoph und Klaus mit einstiegen.

Während Klaus Kroschke das Geschäftsfeld Siebdruck sowie Verkehrs- und Sicherheitskennzeichnung verantwortete, baute Christoph Kroschke das Filialnetz auf und eröffnete Geschäfte in Hannover und Goslar. 1994 entschlossen sich die Kroschke-Brüder, das Unternehmen untereinander aufzuteilen. Christoph zog nach Ahrensburg bei Hamburg, Klaus blieb in Braunschweig. Heute ist die Christoph Kroschke AG Marktführer mit deutschlandweit über 400 Filialen.

All das wusste Knut Nolte nicht, als er den Headhunter am Telefon hatte. Und deshalb lehnte er die Stelle auch ab. Doch Christoph Kroschke lässt sich nicht so leicht von einer Idee abbringen – und so klingelte ein halbes Jahr später erneut Noltes Telefon. Dieses Mal war Kroschke persönlich dran. Er wollte Nolte zum Bereichsleiter machen, mit der Verantwortung für 270 Filialen und 900 Mitarbeiter: „Ich hatte mich inzwischen bei einem Freund, der auch bei Kroschke arbeitete, über das Unternehmen informiert. Das überzeugte mich“, erinnert sich Nolte. Also wechselte er 1995 von der Lebensmittel- in die Auto-Branche. Schon drei Jahre später wurde Nolte Vorstand des Unternehmens, verantwortlich für den Bereich Vertrieb. Außerdem erwarb er zwei Prozent des Unternehmens, was er als „guten Ansporn“ empfindet: „Natürlich musste ich den Kauf von meiner Bank finanzieren lassen.“ 2001 verließ Kroschke seinen Posten und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Fiel es ihm schwer, die Verantwortung abzugeben? „Im Gegenteil, wenn man wachsen will, muss man Verantwortung delegieren und in strukturierte Bahnen lenken“, sagt Kroschke heute. Und so war der Weg frei für Nolte, der 2003 Vorstandsvorsitzender wurde.

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