Vitra
Möbelhersteller mit Architektur-Tick

Vitra setzt auf Exklusivität und Raffinesse - die Pläne für das Firmengelände entwerfen nur die besten Stararchitekten. Das Konzept geht auf: Was nach kostspieliger Spinnerei klingt, zahlt sich für das Familienunternehmen aus der Schweiz am Ende aus.
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WEIL AM RHEIN. Im südwestlichsten Zipfel Deutschlands, Weil am Rhein, liegt eines der ungewöhnlichsten Firmengelände hierzulande. Der Schweizer Möbelproduzent Vitra hat in den vergangenen drei Jahrzehnten elf Stararchitekten, darunter sechs Pritzker-Preisträger, quasi die Nobelpreisträger der Architektur, nebeneinander bauen lassen.

Erst in diesem Jahr ist mit dem Ausstellungshaus von Herzog & de Meuron ein spektakuläres Bauwerk hinzugekommen. Sechs Satteldach-Häuser haben die Architekten der Hamburger Elbphilharmonie und der Stadien in Peking und München übereinander gestapelt.

Was das Werk der Stararchitekten gekostet hat, verrät Vitra-Chef Hanns-Peter Cohn nicht. Ebenso wenig spricht er über den Umsatz des Unternehmens, das unter anderem Stühle und die Design-Klassiker Eames, Panton oder Bellini herstellt. Über Geld will die Eigentümerfamilie Fehlbaum nicht sprechen, also darf es auch Cohn nicht.

Willi und Erika Fehlbaum begannen 1957 mit der Produktion der Möbel des Stardesigner-Ehepaares Charles & Ray Eames. Heute gehört das Unternehmen den Fehlbaum-Söhnen Raymond und Rolf. Geführt wird es von dem familienfremden Manager Cohn. Der ist seit 26 Jahren im Haus, abgesehen von einer sechsjährigen Unterbrechung, als er Chef des Kamera-Herstellers Leica war und von dort 2005 zu Vitra als Chef zurückkehrte.

Nie in der Geschichte habe Vitra Verlust gemacht, betont Cohn. Ja, in der Finanzkrise sei der Umsatz um 30 Prozent eingebrochen. Und es werde bis 2013 dauern, bis Vitra das wieder aufgeholt habe. Aber in diesem Jahr würden die Pfeile wieder deutlich nach oben zeigen.

Einer der Gründe sind Aufträge wie der bei der Deutschen Bank. Die 2 900 Mitarbeiter in der Frankfurter Zentrale werden künftig auf Bürostühlen von Vitra sitzen - Modell "Headline", 400 Euro das Stück. Nichts überlässt Vitra dem Zufall. Der Stoff für den "Headline" etwa ist mit einem Vlies unterlegt, der Feuchtigkeit absorbiert. Das patentierte Material wurde gemeinsam mit BASF entwickelt. Auch die architektonischen Meisterwerke auf dem Vitra-Firmengelände sind mehr als eine kostspielige Spinnerei der Eigentümer.

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