VK-Mühlen-Chef Rolf Brack
Der Stalker im Chefsessel

Acht Monate lang terrorisierte der VK-Mühlen-Chef Rolf Brack den Ehemann seiner Geliebten. Auch deswegen wurde er im Februar fristlos entlassen. Heute klagt er auf Erfüllung seines Vertrags bis 2014.
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HAMBURG. Es ist Donnerstag, der 23. November 2006, ein normaler Arbeitstag. Vorstandschef Rolf Brack, so könnte man meinen, hätte anderes zu tun, als sich Intrigen auszudenken. Doch Brack, seit 1999 an der Spitze des größten europäischen Mühlenbetreibers VK Mühlen (Marken: Diamant, Gloria, Aurora), nimmt sich die Zeit. Er schreibt eine E-Mail.

„Hallo Christian, hoffe, du bist gestern Abend gut nach Haus gekommen. Ich denke, für unsere Weihnachtskartenaktion ist das Tattoo extrem wichtig ... So richtig was Fieses ist mir noch nicht eingefallen ... Wir könnten das Gerücht verbreiten, dass Johannes wegen der Geschäfte mit seinem Bruder demnächst Insolvenz anmelden muss ... Schönen Nachmittag und noch viel Spaß beim Streicheausdenken.“

Es ist 13:10 Uhr, als Rolf Brack auf den Sendeknopf drückt. Er verschickt die Nachricht von seiner geschäftlichen Mail-Adresse, komplett mit Anschrift seines Unternehmens. Der 23. November 2006, so belegen Gerichtsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, ist der Auftakt zu einer Hetzattacke, die auch vor schmutzigen Mitteln nicht zurückschreckt. Gesteuert wird sie vom Vorstandssessel eines angesehenen norddeutschen Mittelständlers.

Zeitsprung. Heute, um 11:15 Uhr in Raum B150 des Landgerichts Hamburg, führt Rolf Brack einen Prozess gegen VK Mühlen. Er ist nicht mehr Vorstandschef des Unternehmens, er wurde fristlos entlassen. Seit März ist er zudem vorbestraft, das Amtsgericht Kiel verurteilte Brack wegen Stalkings zu sechs Monaten auf Bewährung. Doch Brack ist noch nicht fertig mit VK Mühlen, er hat noch ein Anliegen: Er besteht auf der Erfüllung seines Vertrags. Und der läuft bis zum Jahr 2014. Brack erhielt laut Geschäftsbericht ein Jahresgehalt von rund 600 000 Euro.

Brack ließ Anfragen des Handelsblatts nach seinem Vorgehen unbeantwortet. Auch dem Unternehmen ist die Sache hochnotpeinlich – Aussagen zu dem Fall gibt es nicht. So bleiben nur die Fakten aus Gerichtsunterlagen. Schon seit 2006 hatte Brack demnach ein Verhältnis mit der Ehefrau des Kieler Arztes Johannes M. Das Ehepaar wollte sich scheiden lassen, konnte sich jedoch nicht über die Unterhaltszahlungen einigen. Dann griff Vorstandschef Brack ein.

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  • Es ist doch eigentlich merkwürdig, dass ein Unternehmen solche Dinge nicht bemerkt haben will..... besonders nach den erfolgten Haus- und bürodurchsuchungen. Da fehlen dann für Tage Computer und keiner wundert sich, wenn sie von der Kripo Tage später zurückgebracht werden.

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