Volks- und Raiffeisenbanken
Finanzkrise trifft auch Genossen

Viele Genossenschaftsbanken gehören zu den Profiteuren der Krise. Seit etliche Banken in Verruf geraten sind, können sie einen erstaunlichen Kundenzuwachs beobachten. Doch trotz ihres starken Retail-Geschäfts stehen die Volks- und Raiffeisenbanken vor Problemen.

BAD CAMBERG Die Genossenschaftsbanken scheint die Finanzkrise im Vergleich zu den privaten Geschäftsbanken und öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten weniger getroffen zu haben. Schließlich ist es um sie bisher weitgehend still geblieben. Die Krise der anderen hat den genossenschaftlichen Kreditinstituten auf der Suche nach sicheren Einlagen sogar einen Kundenzuwachs beschert. Die genauere Betrachtung zeigt jedoch: Ungeschoren sind auch sie in dieser turbulenten Zeit nicht davon gekommen.

Rolf Drees, Leiter Research Produkt- und Kapitalmarktthemen bei der WGZ Bank, gibt sich überzeugt: "Die WGZ Bank verfolgt traditionell mit Blick auf Corporate Finance und Investment Banking eine vorsichtige Geschäftspolitik. Deshalb konnten wir im laufenden Jahr das Kreditgeschäft mit dem Mittelstand ausweiten." Von einer Vertrauenskrise will er vor diesem Hintergrund nichts wissen. Er verweist dazu auf eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK, die allerdings noch aus dem Februar dieses Jahres stammt: "Die Bundesbürger messen danach genossenschaftlichen Banken eine höhere Kompetenz als den anderen Banken bei. Deutsche und internationale Großbanken sind nach der Studie die Verlierer der Finanzkrise", so Drees.

Silvia Conesa, Pressesprecherin der DZ Bank pflichtet bei: "Die genossenschaftlichen Banken haben sich auf das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Firmenkunden fokussiert. Risikoreiche Geschäfte, wie sie von vielen international agierenden Banken betrieben wurden, hat es bei den Volksund Raiffeisenbanken praktisch nicht gegeben." Dank eines stabilen Einlagenüberhangs könnten diese Institute ihr Kreditgeschäft zudem vollständig aus den Einlagen ihrer Kunden finanzieren - mit positiven Folgen für den Mittelstand. Für die Volks- und Raiffeisenbanken nennt Conesa mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent an der Mittelstandsförderung. Das Kreditvolumen des genossenschaftlichen Finanzverbunds beziffert sie auf 200 Mrd. Euro.

Die Kreditrichtlinien angesichts der Finanzkrise zu verschärfen, dafür sieht man bei beiden Zentralbanken und den angeschlossenen Kreditinstituten folglich keinen Grund. In Deutschland gibt es 1 232 Genossenschaftsbanken mit einer addierten Bilanzsumme von 632 Mrd. Euro ohne, beziehungsweise 995 Mrd. Euro mit den Spitzeninstituten. Es gibt mehr als 13 600 Zweigstellen Ende 2007.

Armin Pabst, Vorstandsmitglied der Volksbank Griesheim bei Frankfurt am Main, berichtet von der Kundenfront: "Genossenschaftsbanken sind seit vielen Jahren in ihrer Region fest verankert." Sie gingen somit verantwortungsbewusst mit den Anlagen um - seien es ihre Privatkunden oder aber mittelständische Firmenkunden. Grund dafür sei unter anderem, dass Volks- und Raiffeisenbanken keine exorbitant hohen Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent oder mehr anstrebten. "Die Liquidität, die für das Kreditgeschäft nicht benötigt wurde, ist überwiegend in festverzinslichen und berechenbaren Wertpapieranlagen investiert worden", sagt Pabst. Auf Grund der guten Liquiditätsausstattung halte man erhebliche Finanzierungsreserven auch für den Mittelstand vor. Kredite für Mittelstandskunden machen nach seinen Angaben im genossenschaftlichen Finanzverbund mehr als 75 Prozent des inländischen Darlehensvolumen aus.

Seite 1:

Finanzkrise trifft auch Genossen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%