Volks- und Raiffeisenbanken
Kreditgenossen geben weiter Geld

Volks- und Raiffeisenbanken geben trotz Finanzkrise Entwarnung für den Mittelstand: Eine wesentliche Beeinträchtigung der Kreditvergabe sei nicht zu erkennen, sagt Thomas Duhnkrack, Vorstand des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank und zuständig für das Mittelstandskreditgeschäft. Gründe sind hierfür unter anderem eine gute Liquidität und sinkende Zinsmargen im Privatkundengeschäft.

FRANKFURT. Allein im zweiten Halbjahr 2007 stieg das Neugeschäft an Mittelstandskrediten nach Berechnungen der KfW um 18 Prozent. Von einer Kreditzurückhaltung der Banken infolge der Finanzkrise könne keine Rede sein, stellte auch die Wirtschaftsauskunftei Kreditreform fest. Das gilt besonders für die Genossen, für die laut Duhnkrack der Mittelstand eine attraktive Zielgruppe ist. Derzeit haben die rund 1 200 Volks- und Raiffeisenbanken rund 30 Mill. mittelständische und private Kunden.

Und während zum Beispiel Großbanken ungern Handwerksbetriebe als Kreditkunden wollen und das Geschäft mit diesen Unternehmen in den vergangen zwei Jahren um fast ein Fünftel zurückschraubten, steigerten die Volks- und Raiffeisenbanken ihr Geschäft mit dieser Klientel um zehn Prozent.

Einer der Gründe: Unter mangelnder Liquidität leiden die Genossen nicht. Anders als viele private Kreditinstitute oder Landesbanken haben sich die Volksund Raiffeisenbanken nämlich nicht am in große Not geratenen US-Hypothekenmarkt verzockt und mussten deshalb keine teuren Verluste hinnehmen. Auch auf eine Refinanzierung am derzeit teuren und teilweise illiquiden Finanzmarkt sind sie in der Regel nicht angewiesen, Sie reichen nämlich größtenteils ihre Kundeneinlagen als Kredite an lokale Firmen weiter, den Rest an die beiden Zentralbanken, die das Geld an den Finanzmärkten anlegen. "Wir ertrinken derzeit geradezu in Liquidität", heißt es sogar aus Verbundkreisen der Kreditgenossen.

Und: Auf Grund sinkender Zinsmargen im Privatkundengeschäft und immer mehr ausländischer Wettbewerber, die auf den Markt drängen, müssen sich die Kreditgenossen zudem neu positionieren, wollen sie nicht in die Ertragslosigkeit abgleiten. Denn der Bundesverband Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken rechnet für 2008 mit einem weiter sinkenden Betriebsergebnis der Ortsbanken und empfiehlt schon seit längerem, stärker als bisher das Firmenkreditgeschäft besonders auch für mittelständische Unternehmer im Auge zu haben. "Wir haben auf jeden Fall noch Potenzial im Firmenkreditgeschäft", hatte es bereits im vergangenen Jahr beim BVR geheißen. Das zahlt sich wiederum aus für den Mittelstand, denn Hauptklientel der Kreditgenossen sei nun mal das kleine und mittlere Unternehmen vor Ort.

Entsprechend kampfeslustig reagierte auch WGZ-Chef Werner Böhnke im Frühjahr, als die krisengeschüttelte WestLB ankündigte, das Geschäft mit dem Mittelstand ausweiten zu wollen. Diese Kundengruppe wolle man in der Zukunft selbst stärker umwerben, sagte er. Konkurrenz machen sich Zentral- und Ortsbank dabei aber nicht. Das Spitzeninstitut springt in der Regel nur dann ein, wenn die Volksoder Raiffeisenbank vor Ort die Kreditanfrage mangels Masse nicht mit eigenen Kräften schultern kann.

Ein großer Nachfragemarkt werden Mittelstandskredite auch bei den Genossen auf absehbare Zeit zwar nicht werden, aber eine Kreditklemme sieht auf alle Fälle ganz anders aus.

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