Vom Bauboom profitieren
Russland – Think Big!

Russlands Bauboom bietet Herstellern von Baustoffen und -materialien zusätzliche Expansionsmöglichkeiten. Ausländer können unter anderem bei Prestigeobjekten und in lukrativen Nischen punkten. Viele deutsche Marken sind bereits etabliert. Und die Nachfrage nach Qualität und Produktvielfalt ist ungebrochen.

MOSKAU. „Think Big!“ – so könnte das Motto für Russlands Baubranche lauten. Im Geschäftszentrum „Moscow City“ entsteht der höchste Büroturm Europas, vor den Toren der Millionenmetropole stampfen Investoren mit Milliardeneinsatz Businessparks aus dem Boden. Logistikzentren, Einkaufstempel und Büroimmobilien eröffnen im Wochenrhythmus in den Gebietshauptstädten.

Die sprudelnden Petrodollars lassen bei der Regierung Pläne für Mautautobahnen und Schnellbahnlinien reifen. Zudem sorgt das nationale Vorrangprojekt „Erschwinglicher Wohnraum“ landesweit für kreisende Kräne. Allein 2006 wurden rund 50 Millionen Quadratmeter Wohnraum gebaut.

Zulieferer für die Bauindustrie erzielen seit Jahren Umsatzzuwächse zwischen 10 und 40 Prozent. Die Agentur Symbol-Marketing ermittelte allein für Produkte des Innenausbaus in Russland eine jährliche Marktgröße von bis zu 24 Milliarden US-Dollar (US$), ein Viertel davon entfällt auf die Hauptstadt Moskau. Die gesamte Inlandsherstellung von Baustoffen und -materialien schätzten Analysten 2006 auf ein Volumen von rund 15,1 Milliarden US$. Im ersten Halbjahr 2006 wurden landesweit mehr als 120 neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen, berichtet die Baubehörde Gosstroy. Darunter waren Hersteller von Fensterprofilen, Bodenfliesen, Linoleum und Gasbetonsteinen.

Doch die gewaltige Dynamik im Bausektor stößt an ihre Grenzen. Allein 2010 sollen 80 Millionen Quadratmeter neuer Wohnraum geschaffen werden. Den dann nötigen Bedarf an Baumaterialien könnte Russlands Industrie momentan nur zur Hälfte decken, rechnet das Ministerium für regionale Entwicklung vor.

Die Engpässe am Markt veranlassen große russische Baufirmen, ihre Ausgangsmaterialien selbst herzustellen. Für eine eigene Produktion spricht, dass sie die Versorgung mit Baustoffen sichert, unabhängiger von Preisschwankungen macht und die gewünschte Qualität sowie die Anwendung neuer Technologien ermöglicht.

Deutsche Marken etabliert

Für Qualität und moderne Technologien sorgen aber auch ausländische Bauzulieferer. Das deutsche Trio Profine, Veka und Rehau ist führend bei Kunststoffprofilen für Fenster. Ihre Umsätze steigen Jahr für Jahr um mindestens ein Viertel. Für 2006 wurde ein Volumen von über 725 Millionen US$ prognostiziert.

Deutschlands Vorzeigeinvestor im russischen Baustoffsektor ist das Familienunternehmen Knauf. Der Konzern hat bereits über eine halbe Milliarde Euro im Land investiert – in Fabriken, Bergwerke, Schulungszentren und Vertriebskanäle. Noch einmal doppelt so viel will der fränkische Gipsplattenhersteller in den nächsten Jahren in den Aufbau weiterer Werke in Russland stecken. „Jeder Rubel, den wir hier investieren, lohnt sich“, sagte Geschäftsführer Nikolaus Knauf bei einer Werkseröffnung in der Nähe von St. Petersburg. Die „Knauf-Platte“ für den Trockenbau ist heute in Russland ein feststehender Begriff wie das „Tempo-Taschentuch“ in Deutschland.

Ähnlich populär im Land ist Henkel mit seinen trockenen Baumischungen der Marke „Ceresit“. Der Düsseldorfer Konzern will im Frühjahr 2007 ein zweites Werk in Tscheljabinsk eröffnen und dort pro Jahr 100 000 Tonnen produzieren. Selbst damit deckt Henkel nur einen Teil des immensen Nachholbedarfs an trockenen Baumischungen: Im EU-Raum werden pro Kopf und Jahr bis zu 30 Kilogramm verbraucht, in Russland erst zwei Kilogramm. Bei Dämm- und Isolierstoffen hinken deutsche Marken noch hinterher. Ihre Konkurrenz aus Westeuropa investiert eifrig in Fabriken oder kauft russische Unternehmen auf. In dem Segment führt die zur spanischen Uralita-Gruppe gehörende Ursa mit einem Viertel Marktanteil vor der französischen Saint-Gobain Isover (15 Prozent) und Rockwool aus Dänemark. Für die nächsten fünf Jahre werden für wärmeisolierende Materialien im kalten Russland Zuwachsraten von jeweils 15 bis 20 Prozent erwartet.

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