Von der Sekretärin zur Klinik-Chefin
„Ich kann das“

Erfolgreich, ungewöhnlich, umstritten: Marlies Borchert ist eine Mittelständlerin der etwas anderen Art. Als die angeschlagene Klinik in Bad Segeberg zum Verkauf steht, schlägt Marlies Borchert zu – aus Sorge um ihren Arbeitsplatz. Heute schreiben die Segeberger Kliniken schwarze Zahlen. Wie es Marlies Borchert von der Sekretärin zur Klinik-Chefin brachte.
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Kapriziös. Das Wort fällt einem sofort ein, wenn Marlies Borchert, 62, den Raum betritt. Die Haare rot, die Augenpartie blau schattiert, die Fingernägel perfekt lackiert. Sie betont ihre Lippen mit einem kräftigen Rot, trägt gern frische Farben, auch schon mal eine Bluse mit Blumenmuster. Der Auftritt zeugt von Selbstbewusstsein - Marlies Borchert hatte es so von der Sekretärin eines Gase-Zulieferers bis zur Chefin einer Großklinik mit 1 500 Mitarbeitern und 90 Millionen Euro Umsatz in Bad Segeberg gebracht. Kaufofferten von großen Klinikketten hat sie bereits abgelehnt.

Sie ist eine der ungewöhnlichsten Repräsentanten des Mittelstands, die Deutschland zu bieten hat. Sie ist nicht bloß äußerlich unkonventionell. Ihre Karriere - zunächst eine Mischung aus Unverfrorenheit und Ahnungslosigkeit - ist außergewöhnlich. Und erfolgreich: Mit ihrer Kliniken GmbH erwirtschaftet sie Gewinne - was in der Branche eher die Ausnahme als die Regel ist. Von der Akutversorgung bis zum Wellnesshotel hat sie eine Rundum-Gesundheitsversorgung aufgebaut. Das Herzzentrum zählt zu den größten in Deutschland. Beliebt ist sie im Ort trotzdem nicht. Oft liegt sie mit Ärzten und Bürgern über Kreuz.

Sie ist heftigen Widerstand gewohnt. 1974, als ihr Aufstieg begann, waren Frauen in Führungspositionen noch wesentlich rarer, als sie es heute sind - und ungefähr so zahlreich wie weibliche Häuptlinge bei den Karl-May-Festspielen, für die der 16 000-Einwohner-Ort Bad Segeberg vor allem berühmt ist.

"Ich kann das." Marlies Borchert betont den Satz. Zu Beginn der Siebzigerjahre entstanden in Bad Segeberg, wie fast überall im Land, neue, große Klinikgebäude. Für sie die Chance, etwas Neues zu probieren. Als sie im Bewerbergespräch bei den Segeberger Kliniken gefragt wurde, was sie besonders gut kann, antwortete sie: "Personal." Bei ihrem Arbeitgeber, dem Gase-Zulieferer Pam Flügas, hatte sie die Korrespondenz für etwa 100 Außendienstler betreut. Bei den Segeberger Kliniken wurde sie dann Personalchefin.

"Nichts zu wissen war kein Problem für mich." Noch so ein Satz von ihr. Natürlich hatte sie vom Klinikbetrieb keine Ahnung. Wie denn auch? Sie gab es zu und kniete sich rein. Im Verwaltungsratsvorsitzenden der Klinik fand sie mit ihrer direkten Art einen einflussreichen Förderer.

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