Von Japan lernen
Die Form macht’s

Japanische Unternehmen nutzen innovatives Produktdesign als strategisches Element, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Davon können deutsche Unternehmen lernen. Vor allem, wenn sie ihre Produkte auf dem japanischen Markt platzieren möchten.

TOKIO. „Design Deutschland“. So lautet der Name einer Ausstellung, die Anfang 2006 in Tokio stattfand und Japanern deutsche Gestaltungskunst näher bringen sollte. Überraschend für die Besucher: Einige der Exponate „made in Germany“ wurden in Japan gestaltet, vor allem Automodelle von Mercedes-Benz.

Der Konzern unterhält schon seit 1993 ein eigenes DesignCenter in Yokohama. Dort entstanden zum Beispiel der Maybach, der SLK, der F 600 und andere Konzeptautos. Für den Standort habe man sich unter dem Motto „Lerne von Japan und mache es besser“ entschieden, berichtet Olivier Boulay, Chef des Design-Centers. „Japan stellt heute eine Benchmark für Qualität und Design dar.“

Praktisch alle großen japanischen Unternehmen unterhalten Gestaltungszentren. Von den rund 7.000 Designstudenten, die in Japan jährlich ihren Abschluss machen, findet der überwiegende Teil in diesen kreativen Entwicklungsabteilungen eine Anstellung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind überall zu sehen: Fantasievolle und funktionale Formen prägen Bauwerke, Autos und Industriemaschinen genauso wie Elektrogeräte, Kleidung oder Küchenzubehör.

„Japan zeigt eine hohe Dynamik, die sich in der Geschwindigkeit des Designwechsels widerspiegelt“, sagt Boulay. So bringen die Anbieter von Unterhaltungselektronik wie Panasonic, NEC, Toshiba oder Sanyo etwa alle drei Monate neue Mobiltelefone auf den Markt, die nicht unbedingt durch neue Funktionen, sondern durch neues Aussehen zum Kauf anregen. Bei Digitalkameras und anderen Produkten sind Modellwechsel ebenfalls an der Tagesordnung.

Ästhetik findet auch bei Produkten Anerkennung, für die sie auf den ersten Blick gar nicht wichtig erscheint. So gingen von den seit 1957 jährlich vergebenen „Good Design Awards“, den renommiertesten Design-Preisen Japans, einige an Industriemaschinen, beispielsweise im vergangenen Jahr an eine neu gestaltete elektronische Präzisionswaage. Die wichtigste Änderung betraf das Gehäuse: Die Verkleidung aus Standardkunststoff war durch Metall ersetzt, das mehrere Tausend Euro teure Gerät damit optisch aufgewertet worden. So waren Aussehen, Qualität und Preis der Waage für potenzielle Kunden stimmig, die Absatzchancen stiegen.

Produktdesign ist keine ästhetische Spielerei

Hier zeigt sich: Produktdesign ist keine ästhetische Spielerei. Sondern ein strategisches Mittel, mit dem sich Unternehmen erfolgreich vom Wettbewerb abheben können. In Japan, mit seinem Überfluss an Einkaufsmöglichkeiten, ist das von besonderer Bedeutung. Vor allem in wettbewerbsintensiven Bereichen wird die Gestaltgebung zunehmend zum entscheidenden Faktor im Kampf um den Kunden. Darum lassen sich japanische Firmen Erfolg versprechendes Design immer mehr kosten – ein Trend, der sich nach Einschätzung der Japan Industrial Design Promotion Organization (Jidpo) auch in Zukunft fortsetzen wird.

Deutsche Unternehmen sollten von Japan lernen, wenn sie ihre Produkte an die designverwöhnte japanische Kundschaft bringen möchten. Formschön, dabei aber praktisch und selbsterklärend sollten diese sein, rät Coco Funabiki, langjähriges Mitglied des Auswahlkomitees für die „Good Design Awards“.

Dass deutsche Hersteller ihre Bemühungen verstärken sollten, zeigt ein Blick auf die Liste der Good-Design-Awards-Preisträger. Seit 1957 wurden 31.622 Awards vergeben – 317 davon an deutsche Erzeugnisse.

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