Vor der Wahl
Schön, schöner, Miss: das Geschäft mit dem Glamour

Am Samstagabend wird die schönste Frau Deutschlands bestimmt. Doch bei der Wahl zur Miss Germany geht es nicht nur um Ruhm und Ehre, es geht auch um Geld. Einer, der seit fast 50 Jahren dabei ist, sagt, was der Sieg einbringt, und gibt Einblicke ins Geschäft mit dem Titel.

DÜSSELDORF. Wenn sich Horst Klemmer, 72, am Telefon mit seinem Nachnamen meldet, klingt es fast wie "Glamour". Sowohl Glamour als auch Klemmer sind im Spiel, wenn es im Europa-Park Rust um die Wahl der Miss Germany 2009 geht. Denn dahinter steht die Miss Germany Coporation (MGC), ein Familienunternehmen aus Oldenburg, dessen Seniorchef Horst Klemmer ist.

Von den insgesamt 7 500 Frauen, die sich bei 170 Vorwahlen beworben haben, sind im Finale noch 23 vertreten, vor allem Schülerinnen, Auszubildende und Studentinnen. Sie müssen ledig und kinderlos sein, zwischen 16 und 28 Jahren alt, außerdem dürfen von ihnen keine Aktaufnahmen existieren. Und natürlich geht es nicht nur um Glamour und den Miss-Titel, sondern es geht auch um Geld. Schon die erste Miss-Wahl gab es deshalb: Das belgische Kurbad Spa veranstaltete sie 1888, um die sinkenden Besucherzahlen wieder zu steigern. Die erste Miss Germany wurde 1927 im Berliner Sportpalast nicht nur mit einer Blümchenkrone geehrt. Sie erhielt auch 250 Mark für den Auftritt bei einer Modenschau - das Fünffache des damaligen durchschnittlichen Wochenlohns eines Metallfacharbeiters.

Die Siegerin vom Samstag bekommt ein Jahr lang einen A-Klasse-Mercedes zur Verfügung gestellt. Den kann sie gut gebrauchen: In den zwölf Monaten ihrer Amtszeit ist sie bei der MGC unter Vertrag und muss bis zu 100 000 Kilometer zurücklegen, um etwa 120 Termine zu absolvieren: Werbung, Modeschauen, Autogrammstunden, Produktpräsentationen in Kaufhäusern, Empfänge, Medienkontakte - Miss Germany ist eine hauptberufliche Tätigkeit. An den Einnahmen ist die MGC zu 25 Prozent beteiligt. Der Miss Germany bleiben Horst Klemmer zufolge nach einem Jahr in der Regel 70 000 bis 100 000 Euro. Bei großem Interesse von Werbekunden könne es auch mehr werden.

Als Horst Klemmer vor fast fünfzig Jahren bei den Miss-Wahlen als Sprecher anfing, waren sie noch eine Marketingveranstaltung der Opal-Strumpfwerke. "Wir hatten damals einen Etat von 500 000 Mark", erzählt Klemmer. Das Unternehmen habe alles bezahlt und zu den Wahlen seine Kunden eingeladen. Das ging bis 1970 so, obwohl das Unternehmen acht Jahre zuvor pleite gegangen war und mit neuen Eignern unter dem Namen Deutsch-amerikanische Strumpffabrik weitermachte.

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