Vorfinanzierung von Waren
Zur Vorkasse, bitte!

Die Vorfinanzierung von Waren stellt kleinere Händler oft vor große Probleme. Während Banken bei größeren Mittelständlern wieder bereitwillig Kredite vergeben, halten sie sich bei Selbstständigen zurück. Als Alternative erweist sich eines der ältesten Instrumente zur Mittelstandsfinanzierung.

FRANKFURT. Seit 36 Jahren behauptet sich Juwelier Thomas Goldemann mit seinem Schmuckgeschäft in Kampen auf Sylt gegen die großen Ketten. Dafür hält er das Geschäft bis 21.30 Uhr geöffnet. Doch: „In den letzten vier Jahren haben die Einnahmen jede Saison abgenommen“, sagt er. Dabei geht er für seine Kunden sogar ins Risiko und verkauft Schmuck auch auf Rechnung – mit der Gefahr, seinem Geld hinterherlaufen zu müssen.

Das Schmuck-Geschäft ist härter geworden. „Seit 2002 ist der Umsatz rückläufig“, bestätigt Andreas Runde, Optiker- und Schmuckeinzelhändler aus Werther. Um den Absatz anzukurbeln, bietet er seinen Kunden seit zwei Monaten zinsfreie Schmuckkredite mit einer Laufzeit von 24 Monaten. Anbieter sind das „Brillenabo“ mit dessen Finanzierungspartner Plusfinanz Wiesbaden, einer Tochtergesellschaft von Ikea.

Doch auch wenn so die Finanzierung der Kunden steht: Die kleineren Händler stellt die Vorfinanzierung ihrer Waren oft vor noch größere Herausforderungen. „Die Schmuckhändler unterliegen oft einem Depotzwang; das bedeutet, dass sie gleich ein ganzes Sortiment eines Herstellers vorhalten müssen“, sagt Händler Runde. Die Mindestsumme dafür betrage 5 000 Euro – bei Schweizer Marken deutlich mehr. „Solche Warenlager kann ich nicht vorfinanzieren.“ Zumal das Zahlungsziel in der Regel zehn Tage beträgt. Den Einkauf finanzieren Anbieter wie Brillenabo nicht, sagt Peter Jensen, Gesellschafter von „Das Brillenabo“, Reinke + Jensen GbR. Und auch Banken, die bei größeren Mittelständlern wieder bereitwillig Kredite vergeben, halten sich bei Selbstständigen zurück.

Bei der Geschäftseröffnung vor fünf Jahren hatte Runde ein Darlehen bei der Volksbank erhalten. Doch Folgekredite seien nur unter großen Schwierigkeiten zu bekommen, denn bei Schmuck übertrifft die Wertschöpfung den Materialwert bei Weitem, so dass Depots nur bedingt als Sicherheit in Frage kommen. Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ), empfindet die „äußerst restriktive Kreditvergabe der Banken“ denn auch als Konjunkturbremse, die es den Händlern schwer mache, „sinnvolle Investitionen von der Warenbeschaffung bis zur Umstrukturierung zu realisieren“. KfW-Kreditprogramme für die Branche gebe es nicht, ergänzt Runde. „Um die Attraktivität halten zu können, wird das Warenlager aus den laufenden Einnahmen finanziert.“ Oder über großzügige Lieferantenkredite wie bei Juwelier Goldemann. Jahrzehntelange Beziehungen und Zuverlässigkeit erweisen sich als Kapital: Zahlungsziel für ihn ist September – Saisonende seines Sylter Ladens.

Seite 1:

Zur Vorkasse, bitte!

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%