Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn
„Da werden zig Millionen verbrannt“

Der weltgrößte Tunnelbauer Herrenknecht wirft der Deutschen Bahn vor, teure Verfahren bei Ausschreibungen zu bevorzugen. Das Familienunternehmen sieht sich benachteiligt und will sich das "nicht mehr bieten lassen".
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Der weltgrößte Tunnelbauer, das Familienunternehmen Herrenknecht, wirft der Bahn Geldverschwendung bei Ausschreibungen vor. "Das ist schon ziemlich daneben, wie die Tunnelausschreibungen generell und bei Stuttgart 21 im Besonderen laufen. Da werden zig Millionen verbrannt", sagte der Unternehmer Martin Herrenknecht dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Auch bei der neuesten Ausschreibung für die sechs Kilometer langen Tunnel beim Albabstieg sei wieder nur das konventionelle Tunnelbauverfahren vorgesehen, nicht aber der deutlich kostgünstigere durchindustrialisierte Tunnelvortrieb. Herrenknecht bezeichnete diese Ausschreibungsmethoden als "diskriminierend".

Herrenknecht fühlt sich nicht zum ersten Mal benachteiligt. Mit Gegengutachten musste Herrenknecht bereits bei den Ausschreibungen für den Boßler- und den Fildertunnel im Rahmen des Stuttgart21-Projektes um die Zulassung des von Herrenknecht beherrschten Verfahrens kämpfen. Am Ende gewann das österreichische Bauunternehmen Porr, das Herrenknechts Maschinen verwendet, die Ausschreibung. Die Einsparungen durch sein Verfahren bei den beiden Tunneln bezifferte Herrenknecht mit 80 bis 100 Millionen Euro.

Herrenknecht kündigte an, notfalls juristische Schritte gegen die Bahn einzuleiten, falls seine Technologie weiterhin bei den Tunnelausschreibungen außen vor bleibe. "Dann werde ich klagen. Ich lasse mir das nicht mehr bieten", sagte der Unternehmer.

Herrenknecht forderte zudem von der Bahn bei Stuttgart 21 ein professionelleres Management für die operativen Aufgaben und die Finanzen. Die Zeit laufe weg, und bei Großprojekten sei Zeit Geld.
So sei die Tunnelbaumaschine für den Fildertunnel vom Flughafen zum Hauptbahnhof fertig, aber bei der Baustelle fehle es "an allen Ecken und Enden". Der Baubeginn im kommenden Sommer sei kaum zu schaffen. "Die Bahn ist immer noch wie eine Behörde", sagte Herrenknecht.

Martin Herrenknecht hat den Weltmarktführer für maschinellen Tunnelbau aufgebaut. Sein größtes Projekt war der längste Tunnel der Welt durch den Gotthard.

 
Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn: „Da werden zig Millionen verbrannt“"

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  • Das gleiche Spiel ist bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung im Bereich der Nassbaggerei der Fall. Auch hier gibt es innovativere Verfahren, die mit aller Macht ignoriert werden - mit Hilfe des BMVBS. Hunderte Millionen könnten gespart und die Natur müsste nicht zerstört werden. Aber viele Beamte und Politiker "verdienen" sich sehr leicht die Millionen!! Ein richtiger Schweinetrog!

  • @ ja, und wenn das hier eingesetzt wird lässt sich vielleicht auch der abeitsschutz optimieren!!!!!!!!
    fehlende zusammenarbeit is denne mehr leid inde welt und kei nettes germany. nee, oder?

  • @ alle: keiner sagt etwas zu seinem technologischen argument! ich empfinde das auch als ein skandal falls die technik überlegen ist.

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