Vorzüge und Nachteile
Hongkong vs. Singapur – die Rivalen

In internationalen Länderrankings rangieren die beiden asiatischen Metropolen ganz vorn. Bei allen Vorzügen und Nachteilen muss jedes Unternehmen selbst entscheiden, wo es sich lohnt, aktiv zu werden.

HONGKONG. Mit dem rasanten Aufstieg Asiens zur globalen Wirtschaftsmacht stehen auch ihre Handelsmetropolen im Blickpunkt der internationalen Geschäftswelt. Zwischen der Republik Singapur und der Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong hat sich eine Rivalität im Wettbewerb um den attraktivsten Standort entwickelt. Dabei liegen die beiden Stadtstaaten Tausende Kilometer voneinander entfernt. Welcher Standort sich für welches Engagement besser eignet, hängt von vielen Faktoren ab.

In letzter Zeit sind einige Auslandsmitarbeiter von Hongkong nach Singapur gezogen. 2007 gaben bei einer Umfrage der American Chamber in Hongkong 80 Prozent der Mitglieder an, Freunde und Bekannte zu haben, die der Stadt vor allem wegen der schlechten Luft den Rücken gekehrt haben und nach Singapur gezogen sind. „Immer mehr Eltern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder“, berichtet Hans Schrader, Medizinischer Direktor im Matilda International Hospital in Hongkong.

Die horrenden Mieten spielten bei der Entscheidung, Hongkong zu verlassen, ebenfalls eine wichtige Rolle. Doch in Singapur angekommen, erlebten die „Auswanderer“ eine böse Überraschung. Der Immobilienmarkt hat auf den gestiegenen Bedarf reagiert: Bezahlbare Wohnungen finden sich fast nur noch am Stadtrand, und auch die Büromieten könnten 2008 Hongkonger Niveau erreichen.

Einen massiven Exodus von Hongkong nach Singapur gab es bislang nicht. Im Gegen- teil: Infolge der raschen ökonomischen Entwicklung Chinas sind immer mehr Ausländer, auch Deutsche, in Hongkong anzutreffen. Davon zeugt unter anderem die Deutsch-Schweizerische Schule, die sich vor Anträgen gar nicht mehr zu retten weiß. Die Sonderverwaltungszone punktet nicht nur durch räumliche Nähe zum chinesischen Festland, sondern auch durch einen der weltweit größten Container- und Flughäfen sowie ein hohes Maß an Rechtssicherheit. Kapitalverkehrskontrollen gibt es nicht – eine exzellente Voraussetzung für die Gründung einer regionalen Niederlassung.

Mit der nahezu vollständigen Verlagerung der Industrie in das benachbarte Perlflussdelta hat sich Hongkong zu einem Dienstleistungsstandort gewandelt. Das produzierende Gewer-be trug 2006 nur knapp drei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Ganz anders Singapur: Der Stadtstaat positioniert sich als Handelsdrehscheibe für die ASEAN-Region, verfügt aber im Gegensatz zu Hongkong über eine eigene Industrie, die zu rund 28 Prozent am BIP beteiligt ist. ExxonMobil, Shell und ein internationales Konsortium investieren Milli-arden in den Ausbau ihrer Petrochemiekom-plexe. Der Bau einer Fabrik durch den schweizerischen Pharmakonzern Novartis sichert die führende Position in der asiatischen Arzneimittelherstellung.

Um einer Abwanderung der Industrie vorzubeugen, setzt Singapur auf Hightech und Export. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen bis 2010 von zwei auf drei Prozent des BIP steigen, und der Exportwirtschaft stehen 13 Freihandelsabkommen zur Verfügung. Das Konzept trägt Früchte. Die Stadtpla-ner verzeichnen Erfolge bei der Ansiedlung von Zukunftstechnologien. So errichtet die Renewable Energy Corporation aus Norwegen die weltgrößte Solarfabrik für drei Milliarden Euro. Der Investor wählte den Standort unter 200 weiteren Bewerbern aus.

Hongkongs Regierung versucht derweil, mehr Firmen der Handels-, Logistik- und Finanzsparte anzulocken. Sie kündigte im Oktober 2007 die Senkung des Einkommens- und Unternehmenssteuersatzes auf 15 beziehungsweise 16,5 Prozent an. Auch Singapur senkt die Körperschaftssteuer ab 2008 von 20 auf 18 Prozent. Die dringend benötigten Fachkräfte – der einheimische Arbeitsmarkt ist praktisch leer gefegt – werden mit unbürokratischen Aufenthaltsgenehmigungen und späterer Staatsbürgerschaft gelockt.

Was die Freizeitgestaltung angeht, versucht Singapur zum Rivalen Hongkong aufzuschließen und sein Image als ordentliche, aber langweilige Stadt abzustreifen. Im September 2008 donnern erstmals Formel-1-Boliden über den Stadtkurs. In den kommenden drei Jahren eröffnen zwei Spielkasinos und zahlreiche Freizeiteinrichtungen, die Unterhaltung für die ganze Familie versprechen. Für Unternehmen dürfte der Freizeitfaktor allerdings eine untergeordnete Rolle spielen.

Für die meisten Unternehmer entscheidet die Marktnähe. Deshalb lautet für Ekkehard Götting, Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Hong-kong, das Fazit: „Hongkong und Singapur sind keine Konkurrenten.“ Die Sonderverwaltungs-region sei für viele ausländische Firmen das Tor nach China. Sein Kollege in Singapur, Tim Philipi, stimmt zu: „Unternehmen, die sich in Singapur ansiedeln, blicken vor allem nach Südostasien.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%