Vox-Gründer-Show

Jochen Schweizer will kein Löwe mehr sein

Jochen Schweizer ist von Anfang an bei der „Höhle der Löwen“ dabei. Doch nun steigt er aus. Wenn die nächste Staffel der Gründer-Show startet, ist er kein Jurymitglied mehr. Der Unternehmer will keine halben Sachen.
Der Unternehmer steigt bei der Gründer-Show „Höhle der Löwen“ aus. Quelle: dpa
Jochen Schweizer

Der Unternehmer steigt bei der Gründer-Show „Höhle der Löwen“ aus.

(Foto: dpa)

MünchenDer Unternehmer Jochen Schweizer (59) steigt aus der Vox-Reihe „Die Höhle der Löwen“ aus. In der vierten Staffel 2017 werde er nicht mehr dabei sein, teilte er am Dienstag mit. „Ich mache keine halben Sachen“, erklärte Schweizer, „und mein Projekt für 2017 heißt Jochen Schweizer Arena.“

Die Eröffnung der sogenannten Multierlebnisdestination in Taufkirchen bei München am 4. März 2017 falle mitten in den Produktionszeitraum der neuen Staffel. „Es ist ja nicht damit getan, 15 oder 20 Tage in der Produktionshalle zu sitzen, ich muss mich um jedes Investment noch viele Tage kümmern“, sagte Schweizer, der in allen drei bisherigen Staffeln als Investor dabei war.

In der Show stellen Existenzgründer ihre Geschäftsideen vor, Unternehmer wie Schweizer oder Carsten Maschmeyer entscheiden, ob sie in deren Projekte investieren wollen oder nicht. Für Vox war die aktuelle dritte Staffel, die an diesem Dienstag zu Ende geht, ein Quotengarant mit regelmäßig mehr als drei Millionen Zuschauern. Mitte Oktober hatte der Sender mitgeteilt, es stehe noch nicht fest, welche Investoren in der vierten Staffel mit dabei sein werden, man sei aber mit allen bisherigen „Löwen“ im Gespräch.

Das wurde aus den Deals der Start-up-Show
Die Höhle der Löwen Jury
1 von 7

Die Jury der zweiten Staffel (von links): Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Wischhusen und Jochen Schweizer. Vor der Kamera schlossen sie 35 Deals. Doch nur die wenigsten kamen auch zu Stande.

Little Lunch
2 von 7

Die erfolgreichsten Gründer der zweiten Staffel: Die Brüder Denis und Daniel Gibisch konnten mit ihren Bio-Suppen gleich drei der fünf Juroren überzeugen: Peter Thelen, Vural Öger und Judith Williams investierten insgesamt 100.000 Euro und bekamen im Gegenzug 30 Prozent der Anteile von Little Lunch. Mittlerweile ist nur noch Thelen investiert – aber das Unternehmen wächst rasant. Das Sortiment wurde erweitert, 18 Mitarbeiter kamen dazu, ihre Suppen sind auch in Großbritannien und China erhältlich. Die Gibisch-Brüder treiben die Expansion weiter voran und wollen im laufenden Jahr 20 Millionen Umsatz machen.

Von Floerke
3 von 7

Firmengründer David Schirrmachers Pitch war so überzeugend, dass selbst „Krawattenallergiker“ Frank Thelen einsteigen wollte: Am Ende machten Vural Öger, Judith Williams und Frank Thelen gemeinsame Sache und boten 100.000 Euro für 33 Prozent des Herrenaccessoire-Start-ups. Mittlerweile finden sich die Krawatten und Fliegen der Firma bei etablierten Warenhäusern und Modeketten wie Sinn Leffers. Von Floerke soll 2016 etwa 4 Millionen Euro Umsatz machen, die Kollektionen sollen um Schuhe, Hosen und Hemden erweitert werden. Mittlerweile sind auch andere Investoren wie der Gründer und Chef von My Taxi, Nic Mewes, Anteile gezeichnet hat.

Heimatgut
4 von 7

Doch längst nicht in allen Fällen, in denen vor der Kamera ein Deal geschlossen wurde, floss tatsächlich Geld. Wie das Portal Gründerszene.de recherchierte, platzten von 35 zugesagten Deals im Nachhinein 26. So sagte Juror Jochen Schweizer 125.000 Euro für 15 Prozent von Heimatgut zu, die vegane und glutenfreie Chips aus Wirsing herstellen. Doch die Unterlagen, die die Gründer im Nachhinein einreichten, überzeugten dann doch nicht, sagte der Eventmanager dem Portal. Für Heimatgut hat sich der Pitch vor Millionenpublikum trotzdem gelohnt: Ihre Internetseite war während der Ausstrahlung der Sendung nicht zu erreichen. Mittlerweile haben die Gründer Maurice Fischer und Aryan Moghaddam ihr Sortiment deutlich erweitert.

Koawach
5 von 7

Auch beim Startup Koawach versprach Juror Jochen Schweizer zunächst viel – doch ein Deal kam schließlich nicht zu Stande. Die Gründer Heiko Butz und Daniel Duarte stellen eine mit natürlichen Koffein aus Guarana versetzte Trinkschokolade her. Schweizer wollte 120.000 Euro für einen Anteil von zehn Prozent an Koawach zahlen. Doch der Deal platzte ebenfalls. Beide Seiten hätten festgestellt, dass ein Investment nicht passend sei, sagte Co-Gründer Duarte dem Hamburger Abendblatt. Doch der Auftritt bei Vox hat sich dennoch gelohnt: Seit der Ausstrahlung der Sendung im Oktober 2015 gingen 30.000 Bestelllungen ein. Im ersten Jahr der Firmengründung waren es nur 1000 Online-Bestellungen. 2016 will das Unternehmen mehr als 4 Millionen Euro umsetzten, Expansionen in die Niederlande und Großbritannien sind laut Abendblatt geplant.

Scoo.me
6 von 7

Mit der Vermietung von E-Rollern in großen deutschen Städten überzeugten die Scoo.me-Gründer Christoph Becker und Magnus Schmidt Jurorin Lencke Steiner. Sie bot für 30 Prozent der Anteile 100.000 Euro. Doch die beiden Gründer nutzten die Plattform Fernsehshow und zogen ein „attraktiveres Alternativ-Investment“ an, wie sie der Plattform Gründerszene verrieten. Business Angel Hubert Barth ist statt Steiner investiert. Neben dem Startmarkt München ist Scoo.me nun auch in Köln aktiv. Immerhin gibt es eine Kooperation mit „Löwe“ Jochen Schweizer. Auf dessen Event-Gutscheinshop ist auch ein Vespa-Trip durch München mit Scoo.me erhältlich.

Einhorn.my
7 von 7

Sie fielen bei den „Löwen“ durch – doch der Auftritt bei der Startup-Show war auch für Waldemar Zeiler (links) und Philip Siefer ein voller Erfolg. Die beiden Gründer brachten die Juroren mit „Einhorn“, einem Start-up für vegane und fair produzierte Kondome, kollektiv zum Lachen. Zwar wollte keiner der Kapitalgeber investieren. Doch auch „Einhorn“ konnte sich über einen Kundenansturm nach der Ausstrahlung der Sendung freuen. Eine Rechtsstreit und die begleitende Medienberichterstattung über den Claim „Sieben Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ sorgten für zusätzliche Publicity.

Ob sein Abschied von den Löwen endgültig ist, lässt Schweizer offen. „Ich halte es mit Franz Beckenbauer: „Schau'n mer mal!“. Er sei jedenfalls ein Fan des Formats. Der Zeitpunkt seines Ausstiegs habe nichts mit der Veröffentlichung der „Bild“-Zeitung vom Dienstag zu tun, die von Deals in der Sendung berichtet hatte, die im Nachhinein doch nicht zustande gekommen seien. „Der Grund für den Termin war der, dass heute der letzte Tag der Staffel ist und ich erst gestern zu einer endgültigen Entscheidung gekommen bin“, sagte Schweizer.

Zum Bericht der „Bild“-Zeitung sagte Schweizer, in diesem Jahr seien sechs von sieben seiner Deals tatsächlich zustande gekommen. Es sei aber ganz natürlich, dass man nicht investiere, wenn man im Nachhinein die Präsentation überprüfe und zum Beispiel feststelle, dass sich Rahmenbedingungen anders darstellten als vom Gründer in der Sendung präsentiert.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Vox-Gründer-Show - Jochen Schweizer will kein Löwe mehr sein

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%