Wachsende Anforderungen erfordern Professionalität
Agentur bietet Nachhilfe für Aufsichtsräte

Die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen arbeiten nicht professionell genug. "Den ständig wachsenden Anforderungen sind viele Aufsichtsratsmitglieder nicht mehr gewachsen", sagte Axel Smend, Chef der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vor allem bei Haftungsfragen und dem Druck von Öffentlichkeit und Investoren seien viele Aufsichtsratsmitglieder überfordert.

Erst vor kurzem hatte auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in einer Studie die Gründung von Berufsaufsichtsräten begrüßt. Um die im Corporate-Governance-Kodex formulierten Aufgaben erfolgreich erfüllen zu können, ist aus DSW-Sicht ein hohes Maß an betriebswirtschaftlicher Kompetenz und unternehmerischer Erfahrung notwendig. Auch fehle häufig die internationale Expertise. In den Gremien der 30 Dax-Werte sind nur wenige Ausländer zu finden, bemängelte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Hilfe, vor allem für den Mittelstand, gibt es von der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte. Das Angebot von Unternehmenschef Smend reicht von der Analyse der Zusammensetzung der Gremien über die Schulung der Aufsichtsräte bis hin zur Vermittlung erfahrenener Unternehmer.

"Knapp 300 bekannte Persönlichkeiten haben sich bei mir registrieren lassen, um mit ihren Erfahrungen weiterzuhelfen", sagte Smend. Bei der Schulung ist er besonders gefordert bei der Vermittlung der neuen Rechnungslegungsvorschriften wie IAS oder US GAAP oder auch der neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II), wo "großer Nachholbedarf besteht".

Zu den Kunden der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte zählen laut Smend Unternehmen "unterhalb des Dax". Der Schwerpunkt liegt auf mittelständischen Gesellschaften. Konkurrenz gibt es keine. Lediglich in Amerika gebe es eine Agentur, die etwas ähnliches anbiete, so Smend. Im ersten Jahr ihres Bestehens hat die im Herbst 2002 gegründete Agentur acht Aufsichtsräte vermittelt, sechs Schulungen sowie vier Überprüfungen von Gremien durchgeführt.

Probleme sieht der erfahrene Banker vor allem bei wachstumsstarken Mittelständlern. "Die erfolgreichen Unternehmen wachsen in eine neue Größenklasse hinein, manche internationalisieren sogar. Da stoßen Aufsichtsräte, die das Unternehmen seit Gründung begleitet haben an ihre Grenzen."

Smend und die DSW kritisieren die in Deutschland zunehmend übliche Praxis, dass der Vorstandschef am Ablauf seiner Amtszeit auf den Posten des Aufsichtsratschefs wechselt. Hocker sieht es als wenig erfreulich an, dass sieben der zehn meistbeschäftigten Kontrolleure direkt vom Posten des Vorstandschefs in den Vorsitz des Aufsichtsrates der selben Gesellschaft gewechselt seien.

Auf Grund der stärkeren Verantwortung sprach Smend sich aber für eine höhere Vergütung aus. Allerdings müsste diese an die Entwicklung des Unternehmens gekoppelt sein. Mit Blick auf die Corporate- Governance-Diskussion forderte Smend einen Katalog von Verhaltensempfehlungen für den Mittelstand. Sein Haus werde bis zum Ende des Jahres eine solche Leitlinie vorstellen, die gemeinsam mit Unternehmern aus dem Mittelstand erarbeitet wurde.

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