Wachsender Absatzmarkt
Bildtechnik erleichter medizinische Diagnosen

Es sind nicht nur schöne Aufnahmen, die moderne Bildverarbeitungssysteme liefern: Details von Leberflecken, Krebsgeschwüren oder Melanomen etwa lassen Betroffene zunächst erblassen. Gleichwohl sollen die Aufnahmen Leben retten – oder zumindest Schlimmeres verhindern.

KÖLN. Auch wenn die Medizin nicht zum engen Fokus der industriellen Anwendungen passt, haben sich die Bildverarbeiter längst den Kliniken und Ärzten zugewandt. Und verzeichnen dort das größte Wachstum der Branche. „In der Medizintechnik erleben wir derzeit einen wahren Boom“, berichtet Patrick Schwarzkopf, Generalsekretär beim Europäischen Fachverband für Bildverarbeitung.

Das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (ISS) in Erlangen hat sich auf Bildverarbeitung für die Medizin spezialisiert und entwickelt Verfahren zur Unterstützung der Diagnose. Das Ziel: Tumore früher erkennen und die Entnahme von Gewebeproben sowie den Therapieverlauf mit Kameras überwachen. „Dadurch lassen sich kritische Regionen besser identifizieren“, sagt Robert Couronné vom IIS. Bisher werde etwa jede zehnte Gewebeprobe falsch klassifiziert. Die Fraunhofer-Forscher wollen diese Fehlerrate durch eine kombinierte Auswertung verschiedener Parameter massiv senken. „Bei Vorsorgeuntersuchungen wie der Mammografie ist die neue Technik schon im Einsatz“, sagt Couronné.

Marco Wiltgen vom Universitätsklinikum Graz setzt die neue Technik bereits ein. Mit einem Laser scannt der Arzt Melanome auf der Haut von Patienten. Der Computer kann erkennen, ob die schwarze Hautverfärbung gut- oder bösartig ist. Harmlose Fälle könnten mit Hilfe der Technik schneller aussortiert werden, sagt Wiltgen. Eine vollständige Diagnose kann ein Computersystem aber nicht leisten. „Bildverarbeitung ist vor allem eine Unterstützung für die Diagnostik“, sagt Wiltgen. Schon in ein paar Jahren könnten sie bei Routineuntersuchungen zum Einsatz kommen.

Für die präzise Analyse medizinischer Daten sind ausgeklügelte Computerprogramme unerlässlich. Das Unternehmen RST-Softwareentwicklung aus Romrod bietet solche Programme für Arztpraxen und Krankenhäuser. Die Agfa-Tochter arbeitet dazu eng mit der Universität Tübingen zusammen. Auf dem Monitor der so genannten Med-Station können Ärzte Bilder vom Ultraschall bis zur Computertomographie ansehen, bearbeiten und ausdrucken. „Die gewohnte Arbeitsumgebung eines Mediziners wird auf der Bedienoberfläche nachgebildet und erweitert“, sagt Unternehmensgründer Rainer Steinbrecher. So lassen sich etwa geeignete Implantate und Prothesen am Bildschirm konstruieren.

Auch Medikamente werden mittlerweile von Bildtechnik überwacht. Kontrollierte man früher etwa mit mechanischen Abtastungen und einfachen Lichtschranken, ob alle Tabletten in der Schachtel sind. Heute übernehmen Kameras diese Aufgabe. „Die Geräte sind weniger anfällig für Verschleiß“, sagt Dirk Dickfeld, Gründer des Herstellers Pharmacontrol Elektronics mit Sitz in Zwingenberg an der Bergstraße. Seine Maschinen erkennen nicht nur Doppelbefüllungen und Fehllagen. Jede Tablette wird auf 18 Messparameter nach Farbe, Größe, Form, Umfang und Fläche überprüft. Bei Tablettenbrüchen oder Staubpartikeln auf der Oberfläche wird die Schachtel automatisch aussortiert. Neuester Stand der Produktsicherheit ist laut Dickfeld ein Infrarot-Kamerasystem, das durch die Verpackung die chemische Zusammensetzung der Tabletten erkennt. Damit lassen sich Verwechslungen ausschließen, sagt Dickfeld: „Denn Pille ist nicht gleich Pille.“

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