Wachstumsfinanzierung
Der Börsengang als Alternative zum Kredit

Viele mittelständische Unternehmen nutzen den Kapitalmarkt um so unabhängiger von den Banken zu werden. Bis zum Jahresende werden noch einige Börsengänge erwartet - zumal Firmen oft nichts anders übrig bleibt um zu wachsen.
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FRANKFURT. Die Idee klingt einfach und ist in der Praxis dennoch schwer umzusetzen: Ein Mittelständler verfügt über ein seit Jahrzehnten erfolgreiches Geschäftsmodell, hat ein hoch angesehenes Management und gilt auch für die Zukunft als bestens positioniert. Warum zur Finanzierung weiteren Wachstums also nicht etwas ganz Neues wagen, beispielsweise den Börsengang?

Der Gedanke daran dürfte bei Mittelständlern in nächster Zeit mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. "Klassische Bankkredite sind teuer, und für schuldenfinanzierte Übernahmen gibt es schon gar keine Kredite mehr", beobachtet Klaus Oppermann, Partner beim Beratungsunternehmen Ernst & Young. Da bleibe vielen Unternehmen nur der Börsengang übrig.

Auf das richtige Timing kommt es an.

Das klingt allerdings etwas einfacher als es in Wahrheit ist, wie in diesem Jahr schon einige Mittelständler erfahren mussten. Wichtig ist zuallererst das Unternehmen selbst. Gleich danach steht aber die Frage nach dem richtigen Timing. Denn wer beispielsweise im März diesen Jahres die Finanzierung an der Börse wagte, hatte bei der damals überraschend guten Investorenlaune keinerlei Probleme, seine Aktien unterzubringen. Der Chemikalien-Distributor Brenntag oder das Mode-Unternehmen Tom Tailor zum Beispiel feierten Debüts, bei denen es im Vorfeld nur wenige kritische Fragen gab und das übliche Gefeilsche um den Preis ausfiel.

Im weiteren Jahresverlauf sah das allerdings zwischenzeitlich ganz anders aus: "Während das Finanzmarktumfeld im ersten Quartal des Jahres noch sehr günstig war, war das zweite Quartal geprägt von hoher Volatilität", sagt Heinrich Lind, Partner bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Das Berliner Immobilien-Unternehmen GSW bekam das Anfang Mai zu spüren: Der geplante Börsengang wurde wegen der Turbulenzen um die finanziellen Schwierigkeiten einiger südeuropäischer Länder abgesagt. Gut zwei Monate und ein Hilfsprogramm von 750 Mrd. Euro später war es für den Kölner Außenwerber Ströer wiederum relativ leicht, genügend Investoren für seine Aktien zu finden.

Fünf Börsengänge gab es damit vor der Sommerpause. Das ist nicht übermäßig viel. In Anbetracht dessen, dass gerade die größte Finanzmarktkrise seit den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts überstanden wurde, ist dies jedoch keine schlechte Zahl. Bis zum Jahreswechsel könnte bei anhaltend guter Wirtschaftsstimmung noch einmal die gleiche Zahl hinzukommen, glaubt Christoph Stanger von Goldman Sachs.

Gewöhnlich sind Oktober und November bevorzugte Monate für Börsengänge. Schließlich gilt es im vorher auf Roadshows bei Investoren das Feld zu bereiten, indem dort das Interesse an den Aktien geschürt wird. Als wesentlicher Garant für ein erfolgreiches Debüt galt zuletzt auch immer mehr die Qualität des Managements. Der Brenntag AG, die Chemikalien in großen Mengen einkauft, in kleine Mengen umverpackt und diese dann an Tausende von Kleinabnehmern verkauft, war die Führungsspitze um Vorstandschef Stephen Clark für gut ein Drittel des Börsenerfolgs verantwortlich, glauben Investmentbanker, die im Anschluss dabei waren. Der Großteil des Managements arbeitet bereits seit mehreren Jahrzehnten im Unternehmen.

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  • Der börsengang kann den schweren Gang zur Hausbank oder anderen Kreditinstituten verhindern und somit auch die teilweise im Moment herrschenden hohen Zinsen. Andererseits birgt ein iPO auch die schin genannte Gefahr das die Anteile keine Käufer finden oder man dann als Mittelständler ganz schnell von einem investor geschluckt wird. Das Management muss das reiflich überlegen und dann auch voll hinter dieser Entscheidung stehen. Als alternative Finanzierungsform sollte man als die auf jeden Fall ins Auge fassen.

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