Äthiopien
Der neue Wachstumsstar in Afrika

Riesige Infrastrukturprojekte, Investoren aus China und keine Opposition: Die Volkswirtschaft Äthiopiens wächst seit 2003 zwischen acht und zehn Prozent pro Jahr – wie das Land zum Wachstumsstar Afrikas wurde.

Addis AbebaEine endlose Blechlawine aus Tankzügen, Lastwagen und teuren SUVs wälzt sich durch die komplett verstopften Straßen von Addis Abeba. Wie in anderen Orten Afrikas ist der Verkehr chaotisch in der rasant wachsenden Hauptstadt Äthiopiens. Allerdings ist dort gerade ein kleines Wunder geschehen.

Vor sechs Wochen wurde hier zwischen dem Industriegebiet im Süden und dem Stadtzentrum der erste Streckenabschnitt einer neuen Metro in Betrieb genommen: die „Light Rail Line“. Es ist das erste städtische Nahverkehrssystem in Afrika südlich der Sahara, mit Ausnahme des Sonderfalls Südafrika. Wenn die zweite geplante Strecke steht, kann der „Light Train“ bis zu 60.000 Menschen pro Stunde befördern. Getachew Betru, Chef der äthiopischen Staatsbahnen, ist überzeugt, dass die Metro auch finanziell ein Erfolg wird: „Statt uns auf Ticketpreise, Werbung und die üblichen Subventionen zu verlassen, investieren wir entlang der neuen Strecken vor allem in Immobilien“, sagt er. Und deren Wert sei zuletzt kräftig gestiegen.

Nichts symbolisiert den Wirtschaftsaufschwung in dem Land, das lange Jahre mit Hunger und Not verbunden wurde, besser als die in nur drei Jahren für 475 Millionen Dollar aus dem Boden gestampfte Metro. Sie ist zu 85 Prozent mit chinesischem Geld finanziert und wird für die kommenden fünf Jahre von der Shenzhen Metro Group und der China Railway Engineering Corporation gemanagt.

Chinesisches Geld ist auch in die Bahnstrecke geflossen, die von Addis Abeba zum Seehafen Dschibuti am Horn von Afrika führt und kommendes Jahr in Betrieb gehen soll. Sie soll die Transportzeit für Güter halbieren. Äthiopien ist ein Paradebeispiel für die neuen Hoffnungen für Afrika: Gelingt der Schritt zu dauerhaftem Wachstum und einem Anstieg der Lebensverhältnisse in einigen Ländern nach vielen enttäuschten Hoffnungen diesmal?

Auf dem Rücken gewaltiger Infrastrukturprojekte wie Bahnlinien und Straßen, Kraftwerken und Staudämmen ist Äthiopien fast unbemerkt zum neuen Wachstumsstar des Kontinents avanciert. Die Volkswirtschaft wächst seit 2003 zwischen acht und zehn Prozent pro Jahr. Der mit Macht vorangetriebene Ausbau der Infrastruktur hat inzwischen auch das Interesse ausländischer Unternehmen geweckt: Große Marken wie die Bekleidungskette H&M, der Konsumgüterkonzern Unilever oder der Getränkehersteller Diageo haben in Äthiopien investiert. „Das Potenzial ist riesengroß“, schwärmt Mario Delicio, der für den deutschen Hersteller Krones seit Jahren Abfüllanlagen in Afrika baut und auch in Äthiopien aktiv ist.

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