Afrika – Das neue Asien?
Lockruf der Moderne

Ostafrika bereitet sich mit Investitionen in die Infrastruktur auf einen anhaltenden Aufschwung vor. Allen voran haben zuletzt Äthiopien und Ruanda eine Wende zum Besseren eingeleitet.
  • 0

KapstadtHungernde Menschen, ein Völkermord, dem 1994 innerhalb von nur drei Monaten 800.000 Menschen zum Opfer fielen – es sind schreckliche Geschehnisse, die das Bild von Äthiopien und Ruanda vielerorts bis heute prägen. Selbst auf lange Sicht, so schien es damals, würden gerade diese beiden Staaten kaum Chancen auf eine positive ökonomische Entwicklung haben. Von vielen unbemerkt ist jedoch genau das gelungen.

Um rund sieben Prozent pro Jahr ist Äthiopiens Wirtschaftsleistung seit der Jahrtausendwende gewachsen. Das Land ist hinter Nigeria, Südafrika, Angola und Kenia zur fünftgrößten Volkswirtschaft im Afrika südlich der Sahara aufgestiegen. In der Hauptstadt Addis Abeba belegen neue Hotels zwischen Stadtzentrum und Flughafen den Aufschwung. Doch die Infrastruktur stößt an Grenzen: Straßen sind völlig überlastet, eine neue S-Bahn ist erst im Bau – die Arbeiten verstärken das Chaos.

Noch Erstaunlicheres hat sich in Ruanda getan. Mit Wachstumsraten von im Schnitt acht Prozent seit 2005 ist der Zwergstaat im Herzen Afrikas besser vorangekommen als fast alle anderen Länder des Kontinents. Unter der Führung des asketischen Präsidenten Paul Kagame hat sich das Sozialprodukt binnen knapp zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im globalen „Doing Business“-Report der Weltbank wird das Land Jahr für Jahr für seine Fortschritte gelobt und liegt nun auf Rang 46. Schon in fünf Jahren will die ruandische Regierung ihre„Vision 2020“ umgesetzt und den Sprung des Landes vom Agrar- zum High-Tech-Land geschafft haben. Doch der Weg dahin ist weit.

Noch immer bezieht Ruanda über zwei Drittel seiner Einkünfte aus dem Export von Kaffee und Tee. Die Regierung hat erkannt: Ökonomischer Erfolg ist vor allem eine Frage der Infrastruktur. Für mehrere Milliarden Dollar will sie nun ein Schienennetz aus dem Boden stampfen. Äthiopien hat eine ganze Reihe von Projekten in Arbeit: darunter ein elektrifiziertes Eisenbahnnetz sowie Tausende Kilometer neuer Straßen. Herzstück ist ein riesiges Wasserkraftwerk am Blauen Nil mit 6 000 Megawatt Leistung. Ab 2018 soll es entscheidend dazu beitragen, den einstigen Agrarstaat in die Moderne zu führen.

Ein wohlhabendes Land ist Äthiopien trotz einzelner Entwicklungsoasen aber längst nicht. In Addis Abeba finden sich auch in der boomenden City noch zahllose Wellblechhütten. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von jährlich 1.300 Dollar rangiert Äthiopien weiter unter den zehn ärmsten Ländern der Welt. Drei Viertel der fast 90 Millionen Einwohner müssen von weniger als zwei Dollar am Tag leben.

Seite 1:

Lockruf der Moderne

Seite 2:

Korruption bremst den Aufschwung

Kommentare zu " Afrika – Das neue Asien?: Lockruf der Moderne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%