Arbeitsmarkt Emerging Market
„Offene Kritik ist tabu, Hierarchie ist alles“

Fast wie eine Familie: Um gute Beschäftigte zu finden, brauchen Unternehmen in weniger entwickelten Volkswirtschaften eine spezielle Führungskultur. Dabei gelten ganz andere Regeln als in weiter entwickelten Ländern.

Vientiane/Kapstadt/Sao PauloWer in Laos gute Mitarbeiter halten will, muss gelegentlich selbst Hand anlegen. „Als meine Angestellte wieder einmal mit einem blauen Auge ins Büro kam, hatte ich mit ihrem Mann ein ‚ernstes Wort‘. „Tim“ - nennen wir den Europäer mal so - ist überzeugt: „In einem Land wie Laos bleiben einem die Mitarbeiter nur treu, wenn man sich um sie kümmert, ja, sie fast zur Familie werden lässt“.

Der Mittvierziger betreibt in der Unesco-Kulturstadt Luang Prabang mehrere Restaurants und Hotels. „Die zwischenmenschliche Kommunikation ist sehr subtil“, erklärt „Tim“. „Es gelten ganz andere Regeln als in weiter entwickelten Ländern.“ Das zeige sich beim Finden und Halten von Angestellten: „Offene Kritik ist tabu, Hierarchie ist alles“. Ein Europäer, der sich an diese Regeln halte, werde geschäftlich Erfolg haben. Wer nicht, verliere rasch den Respekt der Angestellten, der Behörden, seiner Nachbarn. „Und das war’s dann. Du bist fertig“.

Das südostasiatische Land ist für europäische Geschäftsleute ein „Frontenstaat“ mit vielen Chancen und noch mehr Herausforderungen: erst seit ein paar Jahren spielt das kommunistische Regime mit dem Kapitalismus. Kritik an der Regierung ist fatal. „Wer sich beklagt, hat genau 24 Stunden Zeit, die Koffer zu packen“, sagt ein deutscher Geschäftsmann in der laotischen Hauptstadt Vientiane. „Ich habe das mehrfach miterlebt“.

Laos ist exemplarisch für die Situation in vielen wirtschaftlich aufstrebenden, kulturell und sozial aber stark traditionellen Wachstumsländern: die wirklich erfolgreichen Unternehmer – ob Einheimische oder Eingeflogene - sind eng mit dem Leben ihrer Mitarbeiter verflochten. Peter Weinbrenner, Gründer des Textildruckunternehmens Eurotech in Vientiane, hat seinen Angestellten im Hof der Firma das „Leben auf dem Dorf nachgebaut“.

Die meisten Mitarbeiter stammten aus der Provinz - Reisbauern, die in der Hauptstadt zum ersten Mal Elektrizität erleben. Offene Feuerstellen, Hühner, ein kleiner Garten, eine strohbedeckte Laube – das erinnert an das einfache Zuhause. „Nur so kann ich die Leute halten“, sagt der Deutsche, der seine Arbeiter selber im Textildruck ausbildet.

Ohne derartige Annehmlichkeiten würden die Mitarbeiter bald nach Thailand abwandern. Dort lockt die Hoffnung auf ein besseres Gehalt. Auch Sateesh Vallipuram, Leiter der Textilfirma Alpilao in Laos, hat dieses Problem. 900 junge Frauen nähen in einer Halle T-Shirts für europäische Modefirmen wie Benetton. „Sie bleiben uns treu, weil wir sie gut behandeln“, sagt er. Ein gutes Gehalt, anständige Arbeitsbedingungen, Ruhezeiten und ein Rentensystem. Trotzdem hat er Mühe, Leute anzulocken. Bei einer Arbeitslosenrate von 1,29 Prozent – ein Attribut vieler Wachstumsländer - gibt es mehr „Jobs“ als Jobsuchende.

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