Asian Infrastructure Investment Bank
Die Macht des Geldes

China will mit der eigenen Entwicklungsbank AIIB das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln und Schwellenländer unterstützen. Skeptiker bangen um soziale und ökologische Standards.
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BangkokDie Warnung ging ins Leere. Die Europäer sollten genau prüfen, was für einer Institution sie sich da anschließen wollten, gab der amerikanische Finanzminister Jack Lew zu bedenken. Vergebens: Kurz nach Großbritannien kündigten im März auch Deutschland, Frankreich und Italien den Beitritt zur Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) an, der neuen Entwicklungsbank der Chinesen. Anschließend wagten sich auch kleinere Staaten wie Österreich aus der Deckung.

Nicht nur mit der AIIB will China das internationale System zur Finanzierung großer Infrastrukturprojekte umkrempeln. Schon im vergangenen Jahr vereinbarte die Volksrepublik mit den anderen BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien und Südafrika die Gründung der New Development Bank (NDB), besser bekannt als BRICS-Bank. „Die Chinesen wollen Parallelstrukturen zu bestehenden Entwicklungsbanken schaffen“, sagt Mikko Huotari, Programmleiter Außenpolitik und Außenwirtschaft beim Mercator Institute for China Studies in Berlin. Mit Erfolg, wie die Unterstützung der Europäer und weiterer Staaten belegt.

Neben der von den USA dominierten Weltbank und der immer von einem Japaner angeführten Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) könnten Schwellenländer schon ab 2016 den neuen multilateralen Kreditgeber ansteuern – dann jedoch unter weitreichender Kontrolle von China. Es geht dem Land um mehr als nur um Aufträge für heimische Infrastrukturfirmen. AIIB und NDB taugen auch als Machtinstrumente. „China kann über die Institutionen Einfluss auf die Wirtschaft anderer Länder nehmen und sie von sich abhängiger machen“, sagt Huotari. Das versuche China zwar mit bilateralen Krediten schon jetzt – doch internationale Institutionen sollen mehr Akzeptanz und Vertrauen bringen.
Lange versuchten die Amerikaner, die neuen Konkurrenz-Institutionen klein zu halten. Doch der Reiz einer Beteiligung ist groß. Infrastrukturprojekte versprechen lukrative Geschäfte. „Auch deutsche Firmen könnten darüber leichter an Aufträge kommen“, sagt Experte Huotari. Besonders attraktiv aber ist die Bank für Schwellenländer. Sie erhoffen sich von einer Beteiligung Kredite für ihre eigenen Vorhaben.
Bisher sind solche Darlehen knapp – das gibt selbst die vermeintliche Konkurrenzorganisation ADB zu. „Der Bedarf an Krediten für Infrastrukturprojekte in Schwellenländern ist deutlich größer als das Angebot“, sagt Shang-Jin Wei, Chefökonom der ADB. Seine Bank rechnet damit, dass Asien jedes Jahr rund 750 Milliarden Dollar in Vorhaben wie Straßen, Telekommunikationsnetze und Häfen investieren müsste. Die Bank selbst bewilligt jährlich aber nur Kredite in Höhe von rund 20Milliarden Dollar.

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