Asiens Energiehunger
Der Sonne entgegen

Deutschlands Solarboom strahlt bis nach Afrika – und hilft so dem dortigen Mittelstand, der sonst nur schwer Strom bekäme. Vom Energiehunger der Schwellenländer profitieren vor allem kleine Firmen mit kreativen Ideen.

Berlin, Madrid, VientianeWer zu Thomas Gottschalk will, muss auf den Zahnarztstuhl. Doch schmerzhaft wird es nicht. Der gebürtige Ostberliner empfängt die Gäste seines Start-ups Mobisol in Berlin-Kreuzberg auf einem alten Zahnarztstuhl. Seine Firma expandiert. Sie hat bereits in Ägypten Solarthermie-Projekte umgesetzt und ist in 18 Monaten mit einem Solarstromauto um die Welt gefahren. Jetzt rollt Mobisol den Solarstrommarkt in Afrika auf. Zuletzt wurde das Unternehmen aus der deutschen Hauptstadt von Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon am Rande des Weltklimagipfels in Paris ausgezeichnet. Die Berliner profitieren vom Energiehunger in Afrika - über kleine Solarlösungen, die sie dort verkaufen.

2012 startete Mobisol in Tansania, dann in Ruanda, und bald folgen Kenia, Nigeria und sogar Indien: Die Firma montiert ihren Kunden kleine Photovoltaikmodule auf die Hausdächer und liefert dazu gleich Lampen, Fernseher, Bügeleisen und Handy-Ladestationen mit, die dann über die Sonnenenergie laufen. Ein wenig sehen die in Kreuzberg per 3D-Drucker entwickelten Prototypen wegen des orangefarbenen Plastiks aus wie Stasi-Abhörtechnik. "Die Farbe soll an die Sonne erinnern", erklärt Gottschalk.

Bezahlt wird monatlich. Die Mikrofinanzierung über 36 Monate, abgerechnet über "Smart Money" per Handy, liefert Mobisol gleich mit. 21 Dollar monatlich werden für die Solartechnik fällig. Doch mit der Solarladestation für Mobiltelefone können Mobisol-Kunden am Tag drei Dollar als Kleinunternehmer einnehmen. Und mit dem Sonnenstrom sparen sie einen halben Liter Kerosin, den drei Lampen sonst fressen. Immerhin fast 50 Cent täglich. "Ich war jung und naiv und hatte genug Energie, solch ein Projekt umzusetzen", erzählt der 1982 noch in der DDR geborene heutige Unternehmer Gottschalk.

Und er steht mit solchen Wachstumsideen auf dem Markt für erneuerbare Energien in aller Welt keineswegs allein da. Mobisol und andere deutsche Unternehmen wachsen der Sonne entgegen mit innovativen Ideen. 8.392 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt, in Vientiane, entsteht Ähnliches: Andy Schroeter sitzt hier an seinem Bürotisch - und Prinz Charles blickt ihm dabei von einem Porträtfoto über die Schulter. "Wir haben jede Menge Prominenter, die uns unterstützen", sagt Schroeter, Gründer und Chef der Firma Sunlabob in der Hauptstadt von Laos. Zwischen den Prominentenfotos sind Zertifikate im Goldrahmen - vom Deutschen Solarpreis über Auszeichnungen von Weltbank, dem Weltwirtschaftsforum und den Vereinten Nationen.

35 Mitarbeiter sind für Schroeter, der seit 1995 in Laos lebt, inzwischen in 30 Ländern tätig. Wie Mobisol liefert er netzunabhängige Stromversorgung. Kunden können gegen Gebühr Leihlampen an den von Sunlabob gebauten Stationen aufladen und so Kerosin, Geld und Kohlendioxid-Emissionen einsparen. Inzwischen bietet das Unternehmen aus Laos auch Wasserfilteranlagen, Wasserverteilsysteme und Abwasserreinigung an.

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