Beruflich im Ausland
Wie sich Kulturschocks vermeiden lassen

Viele Unternehmen entsenden ihre Mitarbeiter in Regionen außerhalb des vertrauten europäischen Kulturkreises. Firmen müssen ihre Leute auf diesen Schritt gut vorbereiten. Sonst droht nicht nur ein Reputationsschaden.
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MoskauDie Szene soll bewusst in die Irre führen: Ein Mann sitzt locker auf einem Stuhl, während die Frau neben ihm auf dem Boden hockt. In der Hand hält sie eine Schale Erdnüsse. Bevor sie selbst davon essen darf, nimmt sich der Mann und kaut demonstrativ. Er fasst die Frau an der Schulter, während sie sich dreimal tief verneigt.

Die beiden Schauspieler erzielen den gewünschten Effekt bei ihren Zuschauern - Teilnehmer eines Seminars des Bunds der Auslandserwerbstätigen (BDAE). Fast alle verorten das Gesehene während der anschließenden Diskussion in einem Land, in dem die Männer das Sagen haben und Frauen unterdrückt werden. „Tatsächlich aber stellt die Szene die Überlegenheit der Frau dar“, erläutert BDAE-Sprecherin Anne-Katrin Schulz: eine Kultur, in der die Erde eine Gottheit und die Nähe zu ihr ein Privileg der Frauen ist. Männer sind dazu verpflichtet, die Speisen der Frauen vorzukosten, um sie vor Vergiftungen zu schützen.

Im Seminar-Jargon „Albatros-Kultur“ heißt die fiktive Welt, die zu Fehleinschätzungen verleitet. Eine Erfahrung, die später in der Realität vorschnelle und möglicherweise falsche Urteile verhindern soll - und die Bereitschaft erzeugen, sich auf Neues und Fremdes mit unverstelltem Blick einzulassen. „Bei unseren Seminaren geht es darum, den Blick für kulturelle Unterschiede zu öffnen“, sagt Schulz. Dort werden Teilnehmer auf die Arbeit in fernen Ländern vorbereitet.

China, Indien oder Russland - die Entsendung von Mitarbeitern in Regionen außerhalb des vertrauten europäischen Kulturkreises ist für eine wachsende Zahl von Unternehmen unverzichtbar. Ob im eigenen Werk am Auslandsstandort oder beim Service für die Abnehmer von Maschinen - die Präsenz von Technikern oder Managern aus der Heimat des expandierenden Unternehmens soll den Erfolg in neuen Märkten sichern. Wichtig dabei ist, dass Firmen ihre Mitarbeiter auf diesen Schritt gut vorbereiten. Wer ahnungslos jedes Fettnäpfchen mitnimmt, verspielt Vertrauen oder bringt Geschäftspartner gegen sich auf. Zudem drohen bei steuerlichen oder arbeitsrechtlichen Vergehen empfindliche Strafen.

Rasch steigt die Zahl der sogenannten Expats. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Cartus Corporation gab weit mehr als die Hälfte der multinationalen Konzerne an, dass die Zahl der Auslandsentsendungen weiter steigen wird. Kleinere Firmen ziehen nach. „Mittelständler zählen immer häufiger zu unseren Kunden“, sagt Kai Mütze, Geschäftsführer von International Assignment Consulting (IAC), das Arbeitgeber bei Entsendungen unterstützt. Mittelständler können sich dafür oft keine eigenen Experten leisten.

Die Vorbereitung in Seminaren allein reicht nicht. Das Unternehmen muss steuerliche und arbeitsrechtliche Fragen klären. Kann der Mitarbeiter im deutschen Versicherungssystem verbleiben? Ist er im Gastland steuerpflichtig? Unternehmen drohen bei Verstößen geschäftliche Probleme. „Wer gegen Einreisebestimmungen verstößt, dessen Unternehmen kann etwa in Indien schnell auf einer schwarzen Liste landen, die für ausländische Partner einsehbar ist“, erläutert Mütze.

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  • Bildung-Benehmen
    Eine sehr gute und laengst ueberfaellige Initiative. Es ist an der Zeit, dass Umgangsformen i.Deutschland gelernt, respektiert werden. Anzufangen, bei Kindern (Schule), der derzeitigen Elterngeneration sind Worte wie "bitte, danke, guten Tag" usw. nicht mehr bekannt, von den Kindern kann es nicht erwartet werden. Im dt. Fernsehen wird eine Sprache gesprochen, vor der es jedem grausen muss, obszoen, zotig, beleidigend.
    Deutsche (nicht alle) sind inzwischen weltweit fuer ungehoeriges Benehmen bekannt.
    Jeder Strassenbahn-,Busfahrer, der nichts weiss, was ein "Gast" ist meint die, was er als Fahrgaeste bezeichnet seien so etwas wie eine Herde, der man ordentlich Bescheid geben muss. Auch so manche Polizisten, ohne eigene Erziehung, fuehlen sich berufen, Buerger "zu erziehen".
    Von den Touristen auf Mallorca, Domik.Rep. schweigt man besser! Jeder Auslaender in Deutschland, d. sich nur 1/8 dessen, was sich Deutsche genehmigen erlauben wuerde, waere sofort in einer gewissen Presse bekannt, und das Schreien nach Ausweisung riesig!

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