Brasilien, Russland, Indien, China
Aufsteiger auf dem Prüfstand

BRIC steht für Wachstum, Optimismus und Zukunft. Doch sollten die Schwellenländer auf dem Weg zum Wohlstand straucheln, stellen Skeptiker die Frage: Können diese Länder wirklich Wachstumsmotor der Weltwirtschaft werden?
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DüsseldorfFür Jim O’Neill ist es schon ein Ritual. Immer, wenn die wichtigsten Schwellenländer auf der Schwelle zum Wohlstand ins Straucheln geraten, klingelt bei ihm das Telefon. Dann muss er sich dafür rechtfertigen, dass er vor 13 Jahren als Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs die BRIC ins Leben gerufen hat. Das Kürzel steht formal für die Anfangsbuchstaben der aufstrebenden Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Mehr noch steht es aber für Wachstum, Optimismus und Zukunft. Und genau das ist das Problem von O’Neill. Wenn der Aufstieg dieser Emerging Markets wie zurzeit mal einen Knick bekommt, stellen alle Skeptiker gleich O’Neills berühmte Prophezeiung infrage, dass die Schwellenländer langfristig die Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft werden. „Ich glaube immer noch, dass es dort die besten Investitionschancen der Welt gibt“, verteidigt sich der frühere Goldmann.

Tatsächlich wachsen die Emerging Markets immer noch, aber eben längst nicht mehr so rasant wie in der vergangenen Dekade. Lagen die durchschnittlichen Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts lange Zeit zwischen fünf und zwölf Prozent jährlich, liegen sie heute zwischen zwei und sieben Prozent. 2008 trugen die BRIC-Länder noch rund zwei Drittel zum globalen Wirtschaftswachstum bei, heute ist es weniger als die Hälfte. James Lord von der US-Investmentbank Morgan Stanley sieht die neuen Superstars der Weltwirtschaft bereits schwanken und verpasste Brasilien, Indien, Südafrika, Indonesien und der Türkei den Titel der "Fragile Five" (wacklige Fünf).

Der MSCI Emerging Market Index, der das Vertrauen der Investoren in den Aufstieg der Schwellenländer am besten widerspiegelt, ist in den vergangenen 15 Monaten um acht Prozent gesunken. Noch deutlicher kommt der Stimmungsumschwung auf den Finanzmärkten durch die Kapitalflüsse zum Ausdruck: Als Jim O’Neill seine BRIC-These erfand, flossen etwa 190 Milliarden Dollar pro Jahr in die Schwellenländer. Heute ist es mehr als eine Billion Dollar. Allerdings hat die Kurve im Sommer vergangenen Jahres einen Knick bekommen: Konnten die 30 wichtigsten Emerging Markets nach den Zahlen des Institute of International Finance (IIF) 2012 noch 1,231 Billionen Dollar anziehen, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 150 Milliarden Dollar weniger sein.

Verantwortlich für die Kapitalflucht ist auf den ersten Blick die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed). Im Mai 2013 begannen die US-Notenbanker, öffentlich darüber nachzudenken, den voll aufgedrehten Geldhahn langsam wieder zu schließen. Für viele Investoren kam diese Ankündigung wie ein Schock, so sehr hatten sie sich daran gewöhnt, dass die Fed ihnen quasi zinslose Kredite zur Verfügung stellt, die sie dann für saftige Renditen in den Schwellenländern investieren konnten.

Schon die Aussicht auf eine Vertreibung aus diesem Anleger-Paradies löste Panik aus: Währungen und Börsen in wichtigen Schwellenländern brachen ein. Besonders betroffen waren jene wackligen Fünf, die ihr Wirtschaftswachstum mit kurzfristigen Kapitalimporten finanziert hatten und deshalb hohe Leistungsbilanzdefizite aufweisen. Die türkische Notenbank versuchte denn auch, den Verfall der Landeswährung Lira Anfang des Jahres mit einer massiven Zinserhöhung aufzuhalten, bremste aber damit zugleich den Wirtschaftsboom zu Hause.

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