Bruce Cheng
„Roboter könnten ein großer Markt werden“

Die taiwanische Delta Electronics ist als Weltmarktführer für Netzteile von Laptops groß geworden. Jetzt will Firmengründer Cheng mit günstigen Androiden Chinas Fabrikhallen erobern.

Der Taiwanese Bruce Cheng ist ein Bastler. Die Eingangshalle seines Unternehmens Delta Electronics steht voll mit Schaltnetzen, Monitoren und Ladegeräten. Als Weltmarktführer für Netzteile von Laptops ist Delta groß geworden. Jetzt setzt Cheng auf Roboter.

Herr Cheng, gerade in Japan gibt es schon viele etablierte Hersteller von Robotern. Wie wollen Sie gegen die erfahrenen Firmen bestehen?
Die Löhne in China steigen. Längerfristig könnte es eine gewaltige Nachfrage nach Industrierobotern in der Volksrepublik geben. Darauf wollen wir vorbereitet sein. Wir stehen noch am Anfang unserer Entwicklungen. Aber schon unser Name Delta steht als mathematische Variable für unsere Veränderungsbereitschaft. Wir testen den Markt für Roboter. Mit jeder Generation werden unsere Maschinen besser. Wenn wir genug Kunden dafür finden, setzen wir diesen Weg fort. Wenn nicht, setzen wir auf andere Produkte.

Haben Sie Angst vor Produktpiraten in China?
Wir setzen auf technisch sehr hochwertige Produkte. Die lassen sich nicht leicht fälschen. Nehmen Sie zum Beispiel unsere neu entwickelten Roboter. Sie sind in der Lage, Schrauben in höchster Priorität einzudrehen. Schon die leichteste Neigung kann große Probleme verursachen. Aber unser Maß an Perfektion können Nachahmer nicht gewährleisten.

Sie machen viele Geschäfte mit China. Doch die Konjunktur schwächelt. Wird es eine harte Landung geben?
Die Krise in den USA und die Weltfinanzkrise 2008 haben gezeigt, wie stark die Weltwirtschaft von China abhängt. Das langsamere Wachstum in der Volksrepublik hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Für uns ist Festlandchina bislang vor allem ein Produktionsstandort. Aber auch wir merken schon, dass weltweit die Nachfrage nachlässt. Zudem ändert sich für uns das Marktumfeld. Wir sind Marktführer für Netzteile etwa von Laptops. Aber heute kaufen weniger Leute Notebooks. Das spüren wir natürlich. Deshalb setzen wir auf die Entwicklung neuer Produkte. Roboter könnten für uns künftig ein großer Markt werden.

Wie verlässlich sind Chinas Wachstumszahlen?
Das lässt sich schwer sagen. Nach der Finanzkrise sind Chinas Exporte eingebrochen. Mit gewaltigen Ausgaben für Infrastruktur der Regierung wurde das Wachstum gestützt. Das war anfangs sehr nützlich. Dann wurden jedoch unnötige Projekte umgesetzt. Die Ausgaben für Straßen, Autobahnen und Flughäfen wurden zurückgefahren. Aber auf dem Immobilienmarkt kündigt sich die nächste Blase an. Es gibt sehr viele Herausforderungen in China, und es ist noch nicht klar, ob sie gelöst werden.

Hat Präsident Xi Jinping die Lage im Griff?
Mit seiner Antikorruptionskampagne hat Xi viele Veränderungen angestoßen. Er trimmt die größte Partei der Welt auf Kurs. Wirklich wichtig ist für mich jedoch das Verhältnis zwischen China und den USA. Xi Jinping und Barack Obama sind bereits bei einigen Themen aneinandergeraten. Wir können nur alle hoffen, dass es nicht zu einem offenen Konflikt kommt.

Vielen Dank für das Interview.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China
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