China, Brasilien, Russland
Investorenflucht ist auch eine Chance

Die Wall Street befeuerte den Ansturm auf die Schwellenländer. Doch nun ist der Boom vorbei und die Investoren ziehen ihr Geld ab. Dabei lohnt sich womöglich gerade jetzt der Einstieg. Was für ein Engagement spricht.

Die Investoren an den Börsen weltweit haben harte Wochen hinter sich. Besonders schlimm erging es dabei denen, die dem Rat der Wall Street folgten und Aktien in Schwellenländern gekauft hatten. Der MSCI Emerging Markets Index, der die Entwicklung von Aktien in Schwellenländern widerspiegelt, verlor in den vergangenen zwölf Monaten 25 Prozent seines Wertes, während der beliebte amerikanische Vanguard Total Stock Market Index weniger als ein Prozent nachgab. Dabei schienen Investitionen in Schwellenländern nach der Finanzkrise eine sichere Sache zu sein.

China kaufte damals Rohstoffe aus Brasilien, Indonesien und Russland in Massen auf. Deren Aktienmärkte wuchsen und die Wall Street warf die Marketingmaschine an: 246 Fonds wurden geschaffen, um das viele Geld unterzubringen. Und es funktionierte. In den fünf Jahren bis 2013 flossen 104 Milliarden Dollar in Aktienfonds von Schwellenländern. Die Geldmenge in diesen Fonds vervierfachte sich.

Derzeit gehen Investoren den umgekehrten Weg. Sie zogen in diesem Jahr schon 40 Milliarden Dollar aus Aktienfonds in Schwellenländern ab, vor allem weil China weniger Rohstoffe kauft. Die Gründe für diese Entscheidungen sind nachvollziehbar, aber möglicherweise nicht die ganze Wahrheit.

Eine Wette auf aufstrebende Märkte war noch nie etwas für schwache Nerven: Angelockt von einer boomenden Wirtschaft fließt zunächst viel Geld in ein Land und die Aktien steigen; dann kommt eine Krise, Währungen brechen zusammen und die Inflation steigt; die Aktien brechen ein und das Geld wird wieder abgezogen.

Derzeit fallen die Aktienkurse in den Schwellenländern, weil die Investoren befürchten, dass die Nachfrage Chinas nach indonesischer Kohle, chilenischem Kupfer und anderen Rohstoffen noch weiter sinkt. Die Unternehmen dort haben ihre Kredite oft in Dollar aufgenommen und nun angesichts nachgebender Währungen bei der Rückzahlung zu kämpfen. Die Erinnerungen an die Finanzkrise in Asien 1997 sind auch keine Hilfe. Damals flohen die Investoren aus Thailand, Indonesien und anderen „Tigerstaaten“, die Folgen drohten eine weltweite Rezession auszulösen.

Vielleicht haben die Investoren derzeit aber einige Faktoren nicht bedacht. So haben Unternehmen in Entwicklungsländern mehr Kredite in ihren eigenen Landeswährungen aufgenommen und sind damit besser vorbereitet, falls die Währungen gegenüber dem Dollar fallen. Hersteller in Südkorea und Taiwan importieren viele Rohstoffe und profitieren nun von sinkenden Preisen. Und viele große indische Unternehmen richten sich an inländische Kunden und versorgen die wachsende Mittelklasse zum Beispiel mit Konsumgütern.

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