Chinas Konjunktur
Weniger Wachstum, trotzdem Erleichterung in Peking

Die zweitgrößte Volkswirtschaft ist so langsam gewachsen wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr. Ein genauer Blick auf die Daten zeigt aber: Nach dem schweren Jahr 2015 deutet vieles auf eine Stabilisierung.
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PekingDie schlechte Nachricht zuerst: Chinas Wirtschaft ist im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Das teilte das Statistikamt in Peking am Freitag mit. So gering war der Zuwachs seit den Ausläufern der globalen Finanzkrise 2009 nicht mehr ausgefallen.

Die gute Nachricht ist jedoch: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt scheint sich wieder zu stabilisieren. Immobiliensektor, Industrieproduktion und Infrastrukturausgaben entwickelten sich im März deutlich besser als befürchtet. „Die Daten für März bestätigen, dass es ein Wachstums-Moment gibt“, analysierte Yang Zhao von der größten japanische Investmentbank Nomura.

Zudem zeigt der Umbau zu einem nachhaltigeren Wirtschaftsmodell erste Erfolge. Der Energieverbrauch stieg im ersten Quartal um rund drei Prozent an, allerdings ging der Anteil fossiler Energieträger um zwei Prozent zurück.

„Die heutigen Daten zeigen, dass sich Chinas Wirtschaft von seiner Abhängigkeit zur Kohle befreit“, sagte Lauri Myllyvirta von Greenpeace. „Saubere Energie boomt. Die Ökonomie wendet sich von der Industrie der rauchenden Schlote ab.“ Trotzdem seien in China noch viele neue Kohlekraftwerke in Bau, obwohl es bereits massive Überkapazitäten im Kohlesektor gebe. Es dürften keine neuen Kraftwerke genehmigt werden, forderte Greenpeace.

Auch der Außenhandel hatte sich im März besser entwickelt als befürchtet. Gemessen in der chinesischen Währung Renminbi, auch Yuan genannt, lag der Anstieg im März bei 18,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Noch im Januar und Februar hatte die Zollverwaltung einen Einbruch bekanntgeben müssen. Auch die Importe stabilisierten sich. Zwar blieb bei den Einfuhren letztlich ein Minus von 1,7 Prozent zu verzeichnen. Im Vergleich zum Minus von acht Prozent im Februar ist das jedoch auch ein Hinweis auf eine Erholung.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stellt ihr Wirtschaftssystem um. Peking strebt eine Transformation weg vom Export und Investitionen zu mehr Binnenkonsum mit einer höherwertigen Produktion an. Im vergangenen Jahr war das Wachstum mit einem Plus von 6,9 Prozent so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr ausgefallen.

Das zeigen auch die Daten zum Energieverbrauch. Während der Energiekonsum im verarbeitenden Gewerbe im März im Jahresvergleich nahezu gleich blieb, stieg die Nachfrage im Dienstleistungssektor und von Privathaushalten um rund elf Prozent an.

Im ersten Quartal dieses Jahres könnte das Wachstum noch darunter gelegen haben. Der Internationale Währungsfonds korrigierte seine Prognose für die Volkswirtschaft für dieses Jahr von 6,3 Prozent auf 6,5 Prozent nach oben. Trotzdem warnte der IWF vor Risiken: „China durchläuft gerade einen wichtigen und komplexen Transformationsprozess hin zu einem nachhaltigeren Wachstum.“

Das sei zwar ein wichtiger Prozess, der sowohl die Volksrepublik als auch für die Weltwirtschaft richtig. „Doch wegen der wichtigen Rolle, die China im Welthandel spielt, können schwierige Abschnitte auf diesem Weg schnell starke Auswirkungen für Schwellen- und Entwicklungsländer haben“, hieß es in der Analyse des Währungsfonds weiter.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • "Der Energieverbrauch stieg im ersten Quartal um rund drei Prozent an, allerdings ging der Anteil fossiler Energieträger um zwei Prozent zurück. "
    Entweder haben dann Solar-, Wasser- oder Windkraftenergie zugenommen, oder China hat neue Atomkraftwerke gebaut? Wenn die aber jetzt neue Kohlekraftwerke bauen, passt das nicht so ganz zusammen. Die Bekanntgabe von Wachstumszahlen in China hört sich immer an, wie das Pfeiffen im Walde. Aber irgendwann wird es auch in China eine Rezession geben.

  • Der Schwachsinn der Investmentbanker (und leider auch der Journalisten) geht weiter. Das System verlangt eine schnelle Analyse zu den chin. Wirtschaftszahlen. Darum werden Experten befragt, besonders gerne von Banken. Das sieht besser aus, man erweckt den Eindruck man hätte eine kompetente Einschätzung. In Wahrheit weiss die Investmentbank auch nicht mehr über die Wirtschaftszahlen in China. Aber die Presse kann sagen, sie hat schnell und formal richtig publiziert. Ergo... nimmt die Investmentbank die Zahlen wie sie sind und kommentiert sie (ausserdem hat sie ja ein Interesse, dass die Party weiterläuft). Am Schluss hat die chin. Regierung ihre Propaganda so platziert wie sie es wollte... und die Ringzitierung läuft weiter in die Infowelt.

    Was aber komplett fehlt (und da wurde China schon beim massiven Fälschen von Zahlen mehr erwischt!), wäre doch einmal der Vergleich mit den Statistiken der Handelspartner... wer kauft denn die gewachsenen Exportzahlen immer? Ohne Import auf der anderen Seite geht das nicht!

    Selbst wenn in China in der Industrie Rezessionszahlen kusieren... das Wachstum bleibt immer gut! Im Nachhinein fragt man sich dann in tollen Dokus wie man so blind hat sein können!

  • Grundsätzlich ist der Artikel hilfreich. Ein paar mehr Fakten hätten dem Bericht noch mehr Gewicht verliehen. Beispielsweise hätte man erläutern können zu welcher Energiequelle die Verlagerung statt gefunden hat. Interessant wären auch der Stromverbrauch und die Kohleimportzahlen gewesen. Anstatt sich ernsthafte Arbeit zu machen hat man dann Greenpeace bemüht und ein paar ökoreligiöse Formeln verwendet. Das ist peinlich und erinnert an arabische Zeitungen die dann Allah (dortige Religion) preisen.

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