Duale Ausbildung im Ausland
Bildung als Exportschlager

Unternehmen bilden Fachkräfte an Auslandsstandorten aus, um so den Facharbeitermangel auf eigene Faust zu lösen. Die Verbindung von Theorie und Praxis gilt dabei als große Stärke der dualen Berufsausbildung.
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KölnAls 2013 das Werk im chinesischen Nanjing eröffnet wurde, waren die Arbeiter längst bereit. Mit einem Jahr Vorlauf hatte der Automobilzulieferer Schaeffler damit begonnen, hier Fachkräfte auszubilden. „Direkt zum Start konnten sie dann eingesetzt werden“, sagt Bernhard Schwab, Ausbildungsleiter bei Schaeffler. Konsequent setzt das Unternehmen an ausländischen Standorten auf eine Ausbildung, die eng an das deutsche Modell angelehnt ist. „Wir wollen überall auf der Welt die gleiche Qualität wie in Deutschland haben“, sagt Schwab, „deshalb setzen wir auch überall auf die entsprechenden Strukturen.“

Die enge Verbindung von Theorie und Praxis, sie gilt als große Stärke der dualen Berufsausbildung. Wie Schaeffler geht eine ganze Reihe von deutschen Unternehmen besonders in Schwellenländern vor. Sie bringen die Bildungskonzepte für die Beschäftigten gleich mit. Denn veraltete Inhalte und nur geringe Anteile an praktischen Übungen bei der Ausbildung in den Zielländern führen dazu, dass vor allem hoch technisierte Industriebetriebe dort kaum passende Fachkräfte finden.

Die Anforderungen sind hoch: „Man will auch im Ausland bei Facharbeitern den Standard erreichen, den man zu Hause schätzt“, sagt Volker Ihle, Professor und Auslandsbeauftragter der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. „Die Auszubildenden sollen fachlich gut ausgebildet werden, aber auch nach links und rechts über den Tellerrand gucken können.“

Schaeffler ist bereits in allen BRIC-Staaten aktiv. Neue Ziele für die Internationalisierung finden sich nun in Osteuropa. Auch hier offenbart das Bildungssystem Schwächen. „Ich hatte letztens ein Fachbuch aus den 70er-Jahren in der Hand“, berichtet Schwab von einem Besuch in der Slowakei. „Da ist natürlich von Techniken wie CNC noch nichts zu lesen.“ Eine solche moderne Steuerungstechnik ist aber bei Maschinen in Schaeffler-Fabriken Standard.

Vor Ort zeigen sich die Unternehmen bei der Umsetzung des dualen Systems hoch flexibel. Sie kooperieren mit existierenden Ausbildungsstätten oder schließen sich mit anderen deutschen Unternehmen zusammen. Teilweise bauen sie sogar eigene Schulen nur für ihre Auszubildenden auf.

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