E-Mobilität aus China: Elektroautos, die hier niemand kennt

E-Mobilität aus China
Elektroautos, die hier niemand kennt

Durch viele Anreize aus Peking beherrschen Chinas Elektro-Autobauer ihren Heimatmarkt. Die Zulassungszahlen steigen kräftig. Nun will die Volksrepublik mit E-Autos den Weltmarkt erobern.

Düsseldorf/PekingKein Audi, kein Daimler, nicht mal ein Cadillac. Und trotzdem ist Gao Chunyu stolz auf sein neues Auto. „Ein klassischer Wagen kam für mich nicht infrage“, sagt der chinesische Jungunternehmer. Als Gründer eines Start-ups habe er etwas Neues ausprobieren wollen. Der 28-Jährige fährt seit einigen Monaten einen BYD e6. Ein chinesischer Bestseller, der in Europa weitgehend unbekannt ist – und der europäischen Konkurrenz trotzdem etwas voraus hat. Denn der BYD e6 fährt rein elektrisch. „54 Prozent, 166 Kilometer Reichweite“, gibt der Bordcomputer an.

Sein Besitzer Gao ist ein Autokunde, wie ihn sich die chinesische Regierung wünscht. Denn nach schwierigen Anfangsjahren arbeitet Peking mit Hochdruck an einer neuen Autowelt, weil die Millionenstädte des Landes unter den Abgasen der Autokolonnen leiden. Die Elektromobilität soll nicht nur die Luft spürbar verbessern, sondern auch gleich der Schlüssel der Chinesen zum automobilen Weltmarkt werden.

Denn die Chinesen sind bei der E-Mobilität im eigenen Land bereits in einer dominanten Führungsrolle. Im vergangenen Jahr hat China die USA bereits als weltweiter Leitmarkt für Elektroautos abgelöst. Jedes zweite E-Auto weltweit wird nach Statistiken des Branchenverbandes CAAM in China verkauft. Alleine 300.000 New Energy Vehicles (NEVs), also Elektroautos und Plug-in-Hybride, waren es im vergangenen Jahr, verkündete Chinas Verkehrsminister Miao Wie. In diesem Jahr werde sich der Absatz mehr als verdoppeln.

Die Ambitionen der Chinesen sind groß: Bis 2020 soll die Zahl der verkauften Elektroautos auf jährlich fünf Millionen ansteigen. „Die Regierung ist entschlossen, einen Massenmarkt aufzubauen. Dafür nimmt sie viel Geld in die Hand“, sagt Cui Dongshu, Generalsekretär des Autoverbandes CPCA. Mit 30 Milliarden Yuan (4,2 Milliarden Euro) jährlich werden Ladestationen gebaut – und Käufer bezuschusst.

Während in Deutschland über eine Elektroprämie diskutiert wird, ist sie in China seit Jahren Realität. Nicht nur die Zentralregierung, sondern auch die Provinzen und Städte machen Kunden den E-Autokauf schmackhaft. Bei voller Förderung sind bis zu 120.000 Yuan (17.000 Euro) an Zuschüssen möglich. „Erst die Subventionen haben mir das Auto erschwinglich gemacht“, sagt Neukunde Gao. Anders als in Deutschland treiben die Chinesen den Elektroausbau auf allen Ebenen voran – notfalls mit Zwang. Für Verbrennungsmotoren kann es wegen der Beschränkungen Monate dauern, ein Nummernschild in Peking zu bekommen. Besitzer von E-Autos werden bevorzugt. „Das ist ein sehr chinesischer Ansatz und eine Art indirekter Kaufzwang“, sagt Cui.

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