Emerging Markets
Bleibende Probleme

Die Fed hilft den Aktienmärkten nur kurzfristig, denn die verschobene Zinswende der US-Notenbank kann strukturelle Schwierigkeiten der Schwellenländer nur überdecken. Anleger fürchten eine Konjunkturschwäche.

FrankfurtImmerhin: Die Investoren in den Schwellenländern haben der US-Notenbank zumindest ein wenig dafür gedankt, dass sie die Zinswende vorerst verschoben hat. Während die Aktienkurse in den Industrieländern am Freitag auf Talfahrt gingen, legten die Börsen in den Schwellenländern leicht zu. Der führende Index MSCI Emerging Markets gewann immerhin 0,3 Prozent und baute seinen Wochengewinn damit auf 3,4 Prozent aus.

Westliche Ökonomen sehen die Verzögerungstaktik der Fed jedoch kritisch - zumal sie den Schwellenländern allenfalls kurzfristig helfen dürfte. David Folkerts-Landau, Chefökonom der Deutschen Bank, findet es „unglücklich“, dass sich die Fed von den Schwankungen an den Märkten und den Sorgen um das Wirtschaftswachstum - vor allem in China und anderen Schwellenländern - beeinflussen ließ. Der Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik wäre laut Folkerts-Landau „absolut angemessen“ gewesen.

Dabei ändert die Verzögerung kaum etwas an der Lage der Schwellenländer, da die Fed die Zinserhöhung nur aufgeschoben, nicht aufgehoben hat. „Jegliche Rally bei den Emerging Marktes dürfte deshalb kurzlebig sein“, meint Murat Ulgen, Leiter des Schwellenländer-Researchs bei der Großbank HSBC. Aktien aus Emerging Markets seien zwar inzwischen eine günstige Anlage, aber die wirtschaftlichen und strukturellen Probleme seien noch groß.

„Solange die Unsicherheit über die Fed-Politik anhält, das heißt, bis es zum ersten Zinsschritt kommt, werden auch die Schwellenländer leiden“, sagt auch Jason Daw, Devisenanalyst bei der Société Générale. Gleichzeitig sei es nötig, dass die Administration in China Investoren wieder davon überzeuge, dass sie die Wirtschaft stabilisieren kann.

Für Neil Mellor, Währungsstratege bei der Bank of New York Mellon, gehört beides zusammen: Die Fed müsse hoffen, dass China nach dem Motto „Koste es, was es wolle“ wieder einen stabilen Wachstumspfad erreiche. Bis dahin täten sich Währungshüter um Notenbankchefin Janet Yellen schwer mit einer Zinserhöhung.

China ist seit dem Sommer das Sorgenkind der Märkte. Es waren die Anzeichen einer sich abschwächenden Konjunktur in der Volksrepublik, die Investoren verunsicherten und auch die Aktienmärkte in den Industrienationen kräftig gedrückt haben. Die 300 gewichtigsten Aktien der Festlandsbörsen in Schanghai und Shenzhen sind seit Mitte Juni um 30 Prozent eingebrochen. Der MSCI Emerging Market Index verlor seither 15 Prozent.

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