Emerging Markets Studien erhellen die Krise der Schwellenländer

Die Preise von Papieren aus Schwellenländer verlocken zum Kauf. Doch zwei Studien zeigen die andere Seite der Medaille: Strukturelle Probleme bergen Risiken für Anleger – und eine Lektion in puncto Wachstum.
Schwellenländer stecken zwei Studien zufolge in einer strukturell bedingten Krise. Quelle: dpa
Hongkong

Schwellenländer stecken zwei Studien zufolge in einer strukturell bedingten Krise.

(Foto: dpa)

New YorkDie Aktien der Schwellenländer sind seit den Höchstkursen im vergangenen April im Schnitt um rund 40 Prozent eingebrochen ¬ weit mehr als die Papiere entwickelter Länder. Wer jetzt Kaufkurse wittert, sollte sich aber intensiv mit den Risiken beschäftigen.

Nach Einschätzung der internationalen Großbanken-Organisation Institute of International Finance (IIF) hat die Krise der Schwellenländer tiefe, strukturelle Gründe. „Während die Sorgen wachsen, dass das alte, auf Rohstoff-Exporten basierende Geschäftsmodell der Emerging Markets zerbricht, hat das Wachstum dieser Regionen im Vergleich zu den entwickelten Ländern deutlich abgenommen“, heißt es in einer Analyse von IIF-Direktor Hung Tran und seinem Team. Dabei warnen die Experten: „Selbst wenn die US-Notenbank ihre Zinserhöhung noch einmal verschiebt, kann das nur kurzfristig helfen.“

Nach der Analyse des IIF hat die Börsenschwäche vieler Emerging Markets schon im Jahr 2011 begonnen, weil damals der „Super-Zyklus“ der Rohstoffe zu Ende ging. „Nach allen bisherigen Erfahrungen dauert ein solcher Abschwung im Rohstoff-Sektor 15 bis 20 Jahre“, heißt es weiter.

Ähnlich warnt der Internationale Währungsfonds vor wachsenden Risiken aus dem schwächeren Wachstum in China, niedrigen Rohstoffpreisen, möglicherweise überlasteten Unternehmensbilanzen und Finanzierungsproblemen im Zusammenhang mit Kapitalabflüssen und Kursverlusten. Die Möglichkeiten gegenzusteuern seien begrenzt heißt es, reiche Ölstaaten könnten allenfalls ihren finanzpolitischen Spielraum nutzen, andere Länder seien auf die Wechselkurse angewiesen, um Schocks abzufedern.

Die Brics-Schwellenländer stecken in der Krise
Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika
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Es ist eine radikale Maßnahme: Chinas Notenbanker schwächten vor kurzem die Landeswährung Yuan (Renminbi) per Beschluss so stark wie nie zuvor an einem Tag. Das soll, so Experten, den Export ankurbeln. Denn die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde kriselt. Und das Reich der Mitte ist nicht der einzige Staat aus der Riege der sonst so selbstbewussten Schwellenländer, der mit Wirtschaftsproblemen zu kämpfen hat. Ein Überblick über die Brics-Gruppe.

Brasilien
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Richtig düster steht es um Brasilien. Die Industrie im fünftgrößten Land der Erde ist in der ersten Jahreshälfte um mehr als sechs Prozent eingebrochen. Die Arbeitslosigkeit schießt in die Höhe, und die Behörden rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,1 Prozent, nach plus 0,1 Prozent im Vorjahr. Die Inflation ist mit knapp 10 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren.

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Innenpolitisch ist die Lage ähnlich brisant: Korruptionsskandale reichen in höchste Regierungskreise, und in Umfragen sprechen sich zwei Drittel gegen Präsidentin Dilma Rousseff aus. Dabei muss das Ausrichterland der Fußball-WM 2014 und der Olympischen Sommerspiele 2016 dringend sparen und reformieren, denn die Investoren werden zunehmend skeptisch.

Russland
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Die russische Wirtschaft steckt in der Klemme. Die Talfahrt der Ölpreise macht dem von Rohstoffen abhängigen Riesenreich mächtig zu schaffen. Hinzu kommen westliche Sanktionen im Zuge der Ukrainekrise. Der zeitgleich schwache Rubel macht alles noch schlimmer und treibt die Inflation auf über 15 Prozent.

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Gleichzeitig wollen die Notenbanker mit möglichst niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder auf Trab bringen. Das aber schwächt den Rubel weiter. Die Folgen sind verheerend: Die russische Wirtschaft ist laut Zahlen vom Montagabend von April bis Juni um fast 5 Prozent geschrumpft.

Indien
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Mit einem jüngst gemeldeten Wachstum von 7,3 Prozent kommt die indische Wirtschaft anscheinend wieder in Fahrt. Doch auch der Zentralbankchef sieht diese Zahlen mit Skepsis, denn die Regierung hat die Berechnungsmethode geändert - und sich mehr als zwei Prozent dazu addiert. Wichtige Sektoren wie die industrielle Produktion entwickeln sich weiter schwach.

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Und die Opposition legt das Parlament lahm, so dass wichtige Gesetze zum Landerwerb und zur Mehrwertsteuerreform feststecken. Die Infrastruktur ist völlig unzureichend. Andererseits profitiert das Öl- und Gas-Importland von den niedrigen Rohstoffpreisen. Und auf dem Subkontinent steigt die Konsumlaune, was sich etwa an anziehenden Autoverkäufen sehen lässt.

Das IIF hatte schon vor den jüngsten Marktturbulenzen gewarnt, dass die Schwellenregionen unter starken Abzügen von Kapital leiden, auch hervorgerufen durch die anstehende Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed), mit der die Aussichten auf bessere Renditen in den USA wachsen sollten. In den letzten vier Quartalen sind 300 Milliarden Dollar an privaten Geldern aus den Regionen abgeflossen, was in etwa der Größenordnung während der Finanzkrise 2008 entspricht. Hinzu kommt der Rückgang des Welthandels, der eng mit der Entwicklung der Emerging Markets korreliert ist.

Das IIF warnt, dass die Anleihen der Schwellenländer, die sich bisher recht gut halten haben, bald auch in diesen Sog geraten könnten. Die Experten rechnen mit wachsenden Zahlungsausfällen bei Unternehmen und warnen, dass viele ihre Fremdwährungskredite nicht gegen Verschiebungen der Wechselkurse abgesichert haben.

Was die Lage von vergangenen Finanzkrisen unterscheidet
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