Ende einer Ära
Verschläft der Westen die Machtwende?

Die Schwellenländer des globalen Südgürtels, die noch Turbulenzen zu bewältigen haben, werden auf lange Sicht die wirtschaftliche Weltkarte verändern. Wird sich der Westen der neuen Ordnung stellen? Ein Gastbeitrag.

WienJahrhunderte lang befand sich der Westen in einer wirtschaftlichen Vormachtstellung. Kleidung, Musik, Geschäftspraktiken, Erfindungen und Innovationen fanden ihren Weg vom Westen in den Rest der Welt. Das führte zu einem erhabenen Selbstbild des Westens, der sich als Werteführer und moralische Autorität, dessen Standard auch für den Rest der Welt gelten, sieht. Diese Führungsrolle des Westens, schreibt das Autorenpaar John und Doris Naisbitt, wird allerdings aus verschiedenen Richtungen in Frage gestellt: durch die Krise der westlichen Demokratie, mangelnde Reformbereitschaft, durch den Aufstieg der Schwellenländer. Ein Gastbeitrag.

„Die Geschwindigkeit des Wandels steigt exponentiell mit jeder Dekade. Als globale Gemeinschaft stehen wir an einem Knotenpunkt dessen, was ist und was sein wird. Wie bereiten wir uns darauf vor? Was müssen wir wissen? Wo finden wir die besten Möglichkeiten für uns, für unser Land, für unsere Welt?“ Diese Fragen werden nicht nur nur anlässlich des „International Women’s Forum“, das unter dem Titel „Crossroads of Change“ im Oktober in Chicago stattfindet, gestellt und möglicherweise auch beantwortet. Wo und wie man seinen Platz in der Welt findet, war auch der Grundtenor der Fragen tausender Studenten, zu und mit denen wir anlässlich einer Reise durch Südchina sprachen. Natürlich wurde immer wieder die Frage nach dem nächsten Megatrend gestellt. Denn das Bewusstsein profunden Wandels und die Notwendigkeit, dass wir vorbereitet sein müssen, um die Gelegenheiten zu nutzen, ist auch in China deutlich spürbar. Dessen ungeachtet werden selbst bei gleichem Informationsstand Menschen unterschiedliche Szenarien der Zukunft und der darin enthaltenen Möglichkeiten formen.

So sehr wir selbst auch an geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen interessiert sind, hieße es das Pferd beim Schwanz aufzuzäumen, wenn wir uns auf der Suche nach eigenen Chancen weitgehend von Wachstumsmärkten und Megatrends leiten ließen. Auch wenn es nötig ist, das bestmögliche Bild zukünftiger Entwicklungen zu gewinnen, formen Megatrends lediglich das sich wandelnde globale Umfeld, in dem wir unsern Platz suchen. Aus unserer Sicht sind die größten Wachstumsmärkte dort, wo sie in größtmöglicher Übereinstimmung mit unseren persönlichen Möglichkeiten und Wünschen sind.

Während die individuellen Antworten auf die Frage nach den aussichtsreichsten Wachstums- und Verbrauchermärkten also unterschiedlich zu beantworten sind, sehen wir die Wachstumsmärkte der Zukunft allgemein in jenen Ländern, die wir in unserem Buch „Machtwende“ als den globalen Südgürtel bezeichnen. Sie umfassen einen Großteil Asiens, Lateinamerikas und Süd-Sahara-Afrikas – rund 80 Prozent der Weltbevölkerung, in denen eine neue Mittelklasse und damit neue Verbrauchermärkte entstehen.

Die Frage nach den dort vielversprechendsten Regionen und Ländern lässt sich aus verschiedenen Blickpunkten stellen: aus der Entwicklung des Bruttonationalprodukts, dem Pro-Kopf-Einkommen, aus den Wachstumszahlen verschiedener Industriezweige oder in einem ganzheitlichen Bezug, unter Berücksichtigung sozialer, kultureller und ökologischer Entwicklungen. Und natürlich mit Blick auf die Verbrauchermärkte, der die neue, globale Mittelschicht wieder in den Vordergrund rückt. Diese Mittelschicht ist ebenso wenig homogen wie Kontinente und Länder. Allein aus der Summe der verschiedenen wirtschaftlichen Entwicklungsstufen und lokalen kulturellen Gewohnheiten lassen sich die tatsächlichen lokalen Bedürfnisse und die damit verbundenen Chancen ermitteln.

Wirtschaftswachstum und das Entstehen einer Mittelklasse sind eng mit dem Standard der Infrastruktur eines Landes verknüpft. Ein negatives Beispiel ist Indien, in dem eine desolate Infrastruktur viel Potential ungenutzt lässt. Zu einem Musterbeispiel des strategischen Aufbaus einer länderübergreifenden Infrastruktur könnte Chinas „One Road One Belt Initiative“ (OBOR), die Wiederbelebung der Seidenstraße, werden. Als logistische Grundstruktur dienen die verschiedenen Land- und Meeresrouten der alten Seidenstraßen.

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Alte Verbindungen wiederbelegt - neue entstehen

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