Forschung in BRIC-Staaten
Entwicklungshilfe aus Fernost

Für viele deutsche Unternehmen sind die Schwellenländer bereits wichtige Absatzmärkte. Um ihnen näher zu sein, bauen sie dort eigene Abteilungen für die Forschung auf. Davon profitieren auch die heimischen Labore.
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KölnDas Internet der Dinge lässt sich am besten in Indien voranbringen - so sieht man es beim Industrieunternehmen Bosch. Im neuen Research and Technology Center (RTC) in Bangalore, das Anfang Februar eröffnet wurde, sollen Forscher vernetzte Technologien entwickeln, an softwareintensiven Systemen basteln sowie die Bildverarbeitung für den Konzern vorantreiben. Die neue Einheit ist damit der größte Standort für Softwareentwicklung von Bosch außerhalb Deutschlands - und die siebte Forschungszweigstelle des Unternehmens alleine auf dem indischen Subkontinent.

Die Hoffnungen, die Bosch in dieses Land setzt, sind groß: „Indien wird für uns weiterhin eine zentrale Rolle spielen, auch wenn die nächsten Jahre angesichts des zuletzt rückläufigen Automobilabsatzes in dem Land einige Herausforderungen mit sich bringen“, sagte Peter Tyroller, zuständiger Bosch-Geschäftsführer für die Region Asien-Pazifik, bei der Eröffnung des RTC. Und kündigte gleich neue Investitionen in Höhe von 160 Millionen Euro an.

Die Schwellenländer sind für viele deutsche Unternehmen bereits wichtige Absatzmärkte. Zunehmend folgen der Produktion jetzt auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. 67 Prozent der Unternehmen, die Innovationen im Ausland vorantreiben, wollen ihre Aktivitäten in den BRIC-Staaten in den nächsten Jahren ausweiten. Das ergab eine Studie der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, die im Februar veröffentlicht wurde. Die Devise lautet: „Näher an die Kunden, näher an die Zulieferer“. „Je stärker diese Märkte wachsen, desto mehr wird sich auch die Forschung in die Schwellenländer verlagern“, sagt Michael Füllemann, Partner bei der Unternehmensberatung Bain  Company.

Einige Großkonzerne verfolgen eine ähnliche Strategie wie Bosch und verteilen ihre Forschungsaktivitäten über die ganze Welt. Vor gut einem Jahr eröffnete Mercedes - ebenfalls in Bangalore - ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem künftig bis zu 1 300 Mitarbeiter beschäftigt sein sollen. „Wir haben ‚Made in Germany‘ ersetzt durch ‚Made by Mercedes‘“, sagte Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber der Fachzeitung „automotiveIT“. „Wo auf der Welt unsere Ingenieure arbeiten, macht keinen Unterschied mehr.“

Punktuell forschen auch Mittelständler international. Das wichtigste Motiv dafür ist das Feintuning: In Deutschland entwickelte Produkte sollen im Schwellenland so angepasst werden, dass die lokale Kundschaft gerne und ohne Bedenken kauft. „Wenn Unternehmen einen neuen Markt erschließen wollen, müssen sie ihre Produkte den kulturellen und regulatorischen Gegebenheiten des jeweiligen Landes anpassen“, sagt Nina Czernich, Autorin der EFI-Studie. „Diese Produktanpassungen werden häufig vor Ort durchgeführt, um direkt auf das lokale Know-how zurückzugreifen.“

Oft gehört es dazu, ein komplexes Produkt zu vereinfachen, um die Kosten für den neuen Markt zu senken. Das steht meist diametral den Zielen entgegen, die die Tüftler am Heimatstandort haben. „Es ist schwierig für einen Entwickler, der an der Spitze der Innovation forscht, sich plötzlich darauf zu konzentrieren, wie das Unternehmen möglichst kostengünstig produziert“, sagt Füllemann. Lokale Entwickler kennen die Bedürfnisse dann genauer. Hinzu kommt, dass etwa zum Belastungstest bei extremer Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit keine aufwendigen Tests in Klimalaboren durchgeführt werden müssen - sondern man mit dem Produkt einfach vor die Tür gehen kann.

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Entwicklungshilfe aus Fernost

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Reduktion von Kosten

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