Geldanlage in Russland
Wenn der Rubel wieder rollt

Nach der Krise geht es wieder kräftig aufwärts: Russlands Aktienmarkt und die Währung haben sich in den vergangenen Monaten erholt. Anleger sollten trotzdem vorsichtig sein. Ist der Markt schon wieder überbewertet?
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KölnEine bekannte wenn auch Sicht zynische Börsenweisheit lautet: Kaufen wenn die Kanonen donnern. Im Krisenland Russland haben aber in der Tat Investoren, die in diesem Jahr russische Aktien und die Währung Rubel gekauft haben, kräftig verdient.
Wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, der im vergangenen Jahr eskalierte, haben die EU und die USA Sanktionen gegen Russland verhängt, die die russische Wirtschaft ausbremsten. Auch der Verfall des Ölpreises macht dem Land zu schaffen. Die Kurse russischer Aktien brachen jedoch nur im vergangenen Jahr ein, und gleichzeitig verlor der Rubel an Wert.

Das Erstaunliche: Inzwischen In diesem Jahr geht es am Ural wieder deutlich nach oben. Der Micex-Index der 50 größten russischen Werte ist seit Januar um 17 Prozent gestiegen. Rechnet man die Währungsgewinne des Rubels dazu, kommt man als Euro-Anleger sogar auf ein Plus von mehr als 40 Prozent.

Russlands Wirtschaft scheint sich zu fangen. „Die ökonomische Abwärtsspirale dürfte vorerst gestoppt sein“, sagt Angelika Millendorfer, Russland-Expertin bei Raiffeisen Capital Management. Im ersten Quartal 2015 sank das russische Bruttoinlandsprodukt zwar um 1,9 Prozent. Analysten hatten aber mit einem deutlich stärkeren Rückgang gerechnet.

Ob weitere Wetten auf Russlands Erholung aufgehen, hängt allerdings von zwei Faktoren ab. Der erste Faktor ist der Ölpreis. Dieser ist seit Jahresbeginn wieder gestiegen. Das stützt die russische Wirtschaft, die stark von Öl- und Gasexporten abhängig ist. Ein Fass der Sorte Brent kostet derzeit rund 65 US-Dollar. Auf absehbare Zeit dürfte sich der Ölpreis zwischen 50 und 70 Dollar bewegen, schätzen die Investmentstrategen des US-Fondsriesen Blackrock. Andere Experten gehen von einer ähnlichen Spanne aus.

Der zweite Faktor ist die politische Situation. Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen haben sich zuletzt etwas entspannt. „Einige der Sanktionen werden unserer Einschätzung nach Ende des Jahres zurückgenommen. Das wäre positiv für den Markt“, sagt Hugo Bain, Anlagespezialist von Pictet Asset Management. Eine neue Eskalation ist allerdings nicht ausgeschlossen. Die Verhandlungen zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko sind festgefahren, es gibt immer wieder Kämpfe zwischen ukrainischen Soldaten und prorussischen Separatisten. Sollte sich die Lage verschärfen, dürfte Russlands Wirtschaft in eine neue Abwärtsspirale eintreten.

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