Geschäfte in Vietnam
Ausgeliefert

Mittelständische Unternehmer klagen über willkürlich entscheidende Behörden und unberechenbare Gerichtsverfahren – zwei erschütternde Beispiele aus Vietnam und China und wie sich derartige Katastrophen verhindern lassen.

Hanoi, PekingHeinrich Schenk erwartet wieder einen Überfall. Er hat die Polizei informiert und seine Wachmänner am Firmentor verstärkt, selbst seinen Fahrer hat er nach vorn abkommandiert. Sie harren vor dem Fabriktor aus, kalter Wind bläst ihnen ins Gesicht. Die Männer sollen Schenks ehemaligen Geschäftspartner abwehren. Der hat eine Gesellschafterversammlung im Werk einberufen - für Schenk nichts anderes als die Ankündigung eines Angriffs.

Schenk ist Oberst der Reserve. "Das hilft mir hier", sagt er. "Fallschirmspringen, Einzelkämpferausbildung. Da habe ich gelernt, mit solchen Stresssituationen umzugehen." Er zündet sich einen Zigarillo an, guckt aus seinem Bürofenster bei Hanoi und wartet auf den Feind.

Dabei wollte Schenk nur, was derzeit so viele deutsche Unternehmen wollen: günstig in Vietnam produzieren, gerade jetzt, da die Löhne in China stark gestiegen sind. Die deutsche Außenhandelskammer spricht von einer Welle deutscher Investoren in dem südasiatischen Land, darunter viele Mittelständler. In Schenks Fall ging es um Spezialpappe für Schuhsohlen. Anfangs läuft es geschäftlich gut: Nicht nur Schuhhersteller nehmen die Pappe seines Unternehmens Paper Production Industries bei Hanoi ab, sondern auch die Automobilindustrie. Schließlich beschäftigt Schenk rund 40 Personen in dem Werk.

Doch das Verhältnis mit dem vietnamesischen Partner eskaliert - und eine Odyssee vor den Gerichten des Landes beginnt. Statt eines brummenden Unternehmens führt Schenk mittlerweile eine Geisterfabrik. Nur noch er, sein vietnamesischer Assistent und eine Buchhalterin harren aus. In der fast leeren Fabrikhalle steht eine verlorene Anlage, die längst nicht mehr läuft. Schenks Gegner haben durchgesetzt, dass er derzeit weder im- noch exportieren darf. Auch das Bankkonto ist gesperrt.

Sein Fall ist ein Lehrstück darüber, was passieren kann, wenn sich Unternehmen auf das Geschäft in einem Land mit unzureichender Rechtssicherheit nicht genügend vorbereiten. "Es gibt keine unabhängigen staatlichen Gerichte in Vietnam", sagt Marko Walde, der Delegierte der deutschen Wirtschaft in Vietnam. Auch ein Chemnitzer Reiseunternehmer kämpft seit Jahren gegen Betrüger, die ihn mit einer gefälschten Unterschrift aus dem Register löschten. "Markteinstiege", so Walde, "muss man in Vietnam ganz besonders sorgfältig vorbereiten."

Und nicht nur dort. Jedes fünfte deutsche Unternehmen sieht nach einer Umfrage der deutschen Außenhandelskammern Rechtssicherheit im Auslandsgeschäft als ein Problem an. Das gelte vor allem für mittlere und kleine Unternehmen.

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